
Zucken über den Niederlanden gerade so viele Blitze wie nie seit Messbeginn – und räumt der Siebenschläfer heute Deutschlands Jahrhundert-Hitze in einen kühlen Juli?
Heute beendet ein Tief von Westen Deutschlands Hitzewelle – mit einem 8 bis 14 Grad starken Temperatursturz, aber zuvor noch DWD-Unwettern von Thüringen bis zur Ostsee. Nebenan stellten die Niederlande mit 301.137 Blitzen an einem Tag den höchsten Wert seit Messbeginn 2004 auf, und über den USA baut
Key Points
- Die Glut bricht: Heute beendet ein von Westen heranziehendes Tief Deutschlands Hitzewelle – bis zum 30. Juni purzeln die Temperaturen um 8 bis 14 Grad.
- Noch ist nicht Ruhe: Der DWD warnt vom nördlichen Thüringen bis zur vorpommerschen Küste vor Unwettern – Warnstufe 2, örtlich rot, mit bis zu 40 l/qm Regen, Hagel und Böen bis 100 km/h.
- Zweigeteiltes Land: Während sich der Norden abkühlt, gilt in Niederbayern noch eine Warnung vor starker Wärmebelastung.
- Blitz-Rekord nebenan: In den Niederlanden zählte das KNMI am Samstag 301.137 Entladungen – fast doppelt so viele wie die 188.000 vom Wochenende davor, womöglich Richtung 500.000: der höchste Wert seit Messbeginn 2004.
- Hitze wandert über den Atlantik: In den USA baut sich ein Monster-Hitzedom auf, der rund 200 Millionen Menschen 32 bis 38 Grad bringt – Washington droht vier Tage über 38, Raleigh bis 41,7 Grad.
- Der Sommer am Scheideweg: Bis zum 1. Juli sinken die Höchstwerte auf 22 bis 25 Grad – und der Siebenschläfer könnte dieses kühlere Muster für Wochen festschreiben.
Deutschland: Heute fällt der Vorhang über der Rekordglut
Wochenlang hat die Hitze regiert, jetzt kommt der Bruch – und er hat ein Datum: heute. Von Westen schiebt sich ein atlantisches Tief heran und drängt das alte Sommerhoch nach Osten ab. Damit beginnt einer der markantesten Temperaturstürze dieses Jahres: Bis zum 30. Juni geben die Kontrollläufe 8 bis 14 Grad nach, am 1. Juli stehen vielerorts nur noch 22 bis 25 Grad auf der Karte, gegen Ende der Woche teils nur 20 bis 25 Grad.
Doch der Abschied fällt alles andere als sanft aus. Der Deutsche Wetterdienst hat ein breites Unwetterband gespannt, das morgens von der Ostsee bis zum Südrand des Schwarzwalds reichte und sich tagsüber vom nördlichen Thüringen bis an die vorpommersche Küste verlagert. Meist gilt Warnstufe 2 von 4, gebietsweise springt sie auf Rot. Die Zutaten: heftiger Starkregen bis 40 Liter pro Quadratmeter, schwere Sturmböen um 100 km/h und Hagel. Und während der Norden bereits durchatmet, hält sich im Südosten die Glut – für Niederbayern läuft weiterhin eine Warnung vor starker Wärmebelastung. Deutschland zerfällt heute in zwei Hälften: hier Gewitterchaos und Abkühlung, dort die letzten Atemzüge des Hitzedoms.
Welt: Ein Blitz-Rekord, der zu Zapollo passt – und ein Hitzedom über Amerika
Den spektakulärsten Auftritt liefert ausgerechnet das kleine Nachbarland. Über den Niederlanden tobten am Samstag Gewitter, wie sie das KNMI seit Beginn seiner Aufzeichnungen 2004 nicht gesehen hat: 301.137 Blitzentladungen an einem einzigen Tag – fast das Doppelte der bereits außergewöhnlichen 188.000 vom Wochenende zuvor. Prognosen hielten sogar einen Anflug auf 500.000 für möglich. Bei Hilversum fielen Hagelkörner von bis zu fünf Zentimetern, über dem Westen des Landes bildete sich vermutlich eine rotierende Superzelle. Wer das auf einer Live-Karte verfolgt, sieht ein flächendeckendes Flackern – genau die Szenen, für die es Zapollo gibt.
Während Europa abkühlt, zündet jenseits des Atlantiks die nächste Stufe. Über dem Mittleren Westen und Osten der USA wölbt sich von Ende Juni bis in den Juli ein gewaltiger Hitzedom auf, der rund 200 Millionen Menschen 32 bis 38 Grad und gefühlte Werte über 43 Grad beschert. Philadelphia könnte zwei- bis dreimal die 38-Grad-Marke knacken, Washington an bis zu vier Tagen darüber liegen, in Raleigh sind für den 3. Juli 41,7 Grad im Spiel. Es ist, als reiche der Sommer den Glut-Staffelstab über den Ozean weiter – und das Drama des Juni geht andernorts in die Verlängerung.