
Wird der Ätna für Siziliens Flugverkehr zum Dauerzustand – während Deutschland heute noch einmal 30 Grad abgreift?
Seit Samstag schiebt der Nordostkrater des Ätna Asche in vier Kilometer Höhe, Catania-Fontanarossa stand den dritten Tag in Folge still und Siziliens Gewerkschaften sprechen längst nicht mehr von einem Ausnahmefall. Deutschland liegt derweil zwischen Hoch ARNO und Sturmtief EVA und holt sich am Ober
Key Points
- Der Nordostkrater des Ätna stößt seit Samstag ununterbrochen Asche aus; das INGV meldete im VONA-Bulletin vom 26. September eine Eruptionswolke in rund 4.000 Metern Höhe mit Drift nach Süden – Luftfahrt-Farbcode ROT.
- Catania-Fontanarossa blieb den dritten Tag in Folge dicht: erst bis 23:59 Uhr am Sonntag, dann bis mindestens 21:59 Uhr am Montag keine Starts und keine Landungen.
- Die Ausweichhäfen Palermo, Comiso und Trapani liefen voll, Tausende Reisende strandeten; für eine Verbindung Verona–Palermo wurden laut Acli Terra bis zu 1.180 Euro verlangt.
- Zum Vergleich: Zwischen dem 6. und 12. August fielen 36 Prozent von knapp 2.000 geplanten Flügen aus, über 600 wurden umgeleitet.
- Deutschland erreicht heute 23 bis 29 Grad, im Südwesten und Westen örtlich 30 Grad, an der See um 20 – DWD-Warnungen gibt es keine.
- Ab Donnerstag kippt die Lage: Von Westen her setzt sich schrittweise kühlere Luft durch.
Ein Berg, der den Flugplan schreibt
Er ist über 3.300 Meter hoch, gehört zu den aktivsten Vulkanen des Planeten – und er entscheidet inzwischen mit darüber, wer im Herbst nach Sizilien kommt und wer nicht. Seit Samstagabend drückt der Nordostkrater des Ätna eine Aschesäule nach oben, die das INGV auf rund vier Kilometer über dem Meeresspiegel taxiert. Der Wind trägt sie nach Süden, mitten über die Anflugrouten. Der Luftfahrt-Farbcode steht auf Rot.
Für Catania-Fontanarossa bedeutete das drei Tage Stillstand am Stück. Die Sperre wurde häppchenweise verlängert – erst bis Sonntagnacht, dann bis Montagabend um 21:59 Uhr, jeweils mit dem Zusatz, dass weitere Verlängerungen möglich bleiben. In den Ortschaften rund um den Berg und in Catania selbst rieselte feine Asche auf Straßen und Autos.
Was passiert, wenn ein Drehkreuz ausfällt
Der Ausfall verteilt sich nicht, er staut sich. Palermo, Comiso und Trapani nahmen die umgeleiteten Maschinen auf und waren damit binnen Stunden überfordert. Wer ein Ticket brauchte, zahlte teils absurde Summen: Der Verband Acli Terra dokumentierte für Verona–Palermo rund 1.180 Euro und sprach von Spekulation. Die Gewerkschaften Filt Cgil, Fit Cisl und Uiltrasporti Sicilia formulierten den eigentlichen Vorwurf: Es fehle jeder Notfallplan, obwohl Ätna-Ausbrüche kein Zufall mehr seien, sondern ein struktureller Zustand.
Dass das keine Übertreibung ist, zeigt der Blick auf den Sommer. Die Eruption vom 6. August – Höhepunkt am 7. August gegen 04:00 Uhr Ortszeit – setzte laut DLR-Auswertung etwa 7.000 Tonnen Schwefeldioxid frei; das Satelliteninstrument TROPOMI verfolgte die Wolke bis zum 12. August bis an die libysche Küste. In diesem Zeitraum wurden 36 Prozent von fast 2.000 geplanten Flügen gestrichen und mehr als 600 umgeleitet. Rechtlich gilt ein Vulkanausbruch als außergewöhnlicher Umstand: Entschädigung gibt es nicht, wohl aber Umbuchung, Verpflegung und Unterkunft. Eine Reisewarnung für Sizilien besteht nicht.
Deutschland: Sonne im Osten, Grummeln im Westen
Hierzulande läuft die Sache entspannter, aber nicht langweilig. Zwischen dem Hoch ARNO über Osteuropa und dem Sturmtief EVA über dem Atlantik hat sich eine kräftige Südströmung aufgebaut, die Luft aus dem Süden bis zu uns hochzieht. Von Bayern bis Berlin dominiert deshalb die Sonne, während sich nach Westen und Norden hin mehr Wolken schieben. Vom Niederrhein bis zur Nordsee sind einzelne Schauer und kurze Gewitter drin – der einzige Ort im Land, an dem heute überhaupt ein Blitz zucken könnte. Meist bleibt es trocken.
Die Höchstwerte reichen von 23 Grad bis 29 Grad, im Südwesten und Westen stellenweise bis 30, an den Küsten um 20. Die DWD-Warnkarte bleibt leer. Dass diese Warmphase kein Ausreißer eines Tages ist, hat der DWD am Wochenende selbst eingeordnet: Am Sonntag lag der deutschlandweite Dekadenrekord von 32,2 Grad aus dem Jahr 2018 in Reichweite.
Der Rest der Welt bleibt unruhig
Der Ätna ist nicht allein. Auf Kamtschatka schickte der Scheweluch eine Aschewolke auf geschätzte 38.000 Fuß, im japanischen Kyushu meldete der Sakurajima am 28. September um 08:19 UTC eine Eruption, und am Kīlauea auf Hawaii laufen weiterhin kleine Lavamengen über den Rand des Nordschlots. Auffällig ruhig ist dagegen der Westpazifik: Die philippinische PAGASA überwachte am 29. September um 02:00 Uhr Ortszeit kein einziges Tiefdruckgebiet mit Potenzial zur Wirbelsturmbildung.
Ab Donnerstag ist Schluss
Der Spätsommer hat ein Ablaufdatum. Zur zweiten Wochenhälfte drückt sich von Westen kühlere Luft heran, die Dreißiger verschwinden aus der Vorhersage. Bis dahin gilt: Wer Wärme tanken will, sollte heute rausgehen – und wer nach Sizilien fliegt, vorher die Airline fragen.