
Warum tötet in Griechenland ein einzelner Blitz – während der Atlantik 2026 nicht einen einzigen Hurrikan zustande bringt?
Auf Rhodos endete ein Strandspaziergang tödlich: Ein Blitz traf eine 58-jährige Urlauberin aus Deutschland, während bei Rethymno 500 Liter Regen pro Quadratmeter in 24 Stunden fielen. Der Atlantik dagegen hat es 2026 noch nicht zu einem einzigen Hurrikan gebracht – am 8. Oktober wackelt ein Rekord a
Key Points
- Bei Lothiarika nahe Lindos im Süden von Rhodos schlug am Freitagmittag ein Blitz in eine 58-jährige Urlauberin aus Deutschland ein – sie starb, ihr 62-jähriger Ehemann kam mit leichten Verletzungen davon.
- Im Umfeld von Rethymno auf Kreta registrierte der Wetterdienst binnen 24 Stunden rund 500 Liter Regen pro Quadratmeter.
- Ganz Kreta darf bis heute, Sonntagmittag, gefährdete Naturgebiete nicht betreten; aus Piräus, Rafina und Lavrio gilt weiter Auslaufverbot.
- Erstmals seit Beginn der Satellitenbeobachtung hat der Atlantik den Oktober ohne Hurrikan erreicht: acht benannte Stürme, kein einziger Hurrikan.
- Fällt bis 8. Oktober keine Entscheidung, kippt ein 121 Jahre alter Bestwert aus 1905 – der späteste erste Hurrikan einer Saison.
- Downtown Los Angeles kletterte am Freitag auf 103 Grad Fahrenheit und löschte damit die 101 aus dem Jahr 1995.
- In Deutschland bleibt es harmlos: 17 bis 23 Grad, früh Nebel, nachmittags im Südwesten ein paar Schauer, kaum Wind.
Ein Strandspaziergang, der tödlich endete
Für ZAPOLLO-Nutzer ist ein Blitz ein Punkt, der auf der Karte aufleuchtet und wieder verschwindet. Was so ein Punkt bedeuten kann, zeigte sich am Freitag auf Rhodos. Ein Ehepaar aus Deutschland war am Strand von Lothiarika unweit von Lindos schwimmen gegangen. Als die beiden anschließend am Wasser entlanggingen – nach ersten Einschätzungen noch nass –, traf ein Blitz die 58-Jährige. Sie verlor das Bewusstsein, beim Eintreffen der Rettungskräfte war kein Puls mehr feststellbar, im Krankenhaus wurde der Tod bestätigt. Ihr 62 Jahre alter Mann trug nur leichte Verletzungen davon.
Der Blitz kam nicht aus dem Nichts: Über Griechenland tobt seit Donnerstag ein Herbstunwetter, das Flüsse über die Ufer treten ließ, Autos ins Meer spülte und Brücken wie Straßen zerstörte. Auf Kreta summierte der Wetterdienst nahe Rethymno rund 500 Liter pro Quadratmeter in 24 Stunden – Regierungssprecher Pavlos Marinakis sprach von regional mehr als 150 Litern. In einer Schlucht bei Karines war schon zuvor ein 79-jähriger Hirte tot gefunden worden.
Und beendet ist die Lage noch nicht. Über der südlichen Ägäis, besonders um Chania und über dem Dodekanes, drückte am Samstag stürmischer Nordostwind mit örtlich acht bis neun Beaufort heran, begleitet von Starkregen und Gewittern. Bis Sonntagmittag soll das anhalten; Zivilschutz und Feuerwehr bleiben in Alarmbereitschaft, Tragflügelboote im Argosaronischen Golf liegen fest, und das Betretungsverbot für Schluchten und Risikogebiete auf Kreta läuft bis heute.
Deutschland: Nebelgrau, Sonne, ein Tropfen Kaltluft
Hierzulande ist von dieser Dramatik nichts zu spüren. Der Oktober startete mit Altweibersommer, 20 bis 25 Grad, viel Sonne im Süden und Osten. Heute sieht es ähnlich entspannt aus: Nach einer Nacht mit Werten zwischen 12 und 7 Grad, in Gebirgstälern bis 3 Grad, liegt morgens vor allem im Osten und Süden dichter Nebel. Löst er sich, wechseln sich Sonne und Wolken ab, die Spitzen erreichen 17 bis 23 Grad. Der Wind? Schwach bis gar nicht vorhanden.
Eine kleine Ausnahme gibt es: Im Westen schiebt ein Kaltlufttropfen dichtere Wolken herein, und in der Südwesthälfte sowie in den süddeutschen Bergen reicht es örtlich für Schauer, vereinzelt sogar für ein Gewitter. Wer also Blitze in Deutschland sehen will, muss heute auf den Südwesten schauen – und dort lange hinsehen.
Richtig wechselhaft wird es erst ab Wochenmitte. Die Grundströmung dreht von Süd-Nord auf Nord-Süd, ab Mittwoch ziehen im Nordwesten erste Schauer und Gewitter auf, am Donnerstag kippt die Lage: Die Temperaturen fallen unter 20 Grad, und von Baden und der Pfalz über Westhessen und NRW bis ins zentrale Niedersachsen sind örtlich 20 bis 35 Liter pro Quadratmeter in wenigen Stunden möglich.
Der Atlantik und ein Rekord aus dem Jahr 1905
Während das Mittelmeer Unwetter produziert, hält der Atlantik Pause – und zwar eine historische. Acht benannte Stürme sind in dieser Saison entstanden, drei davon trafen die US-Golfküste, aber keiner schaffte es über Tropensturmstärke hinaus. Damit ist 2026 die erste Saison im Satellitenzeitalter, die den Oktober ohne Hurrikan erreicht.
Am 8. Oktober wird es ernst für die Statistik: Dieses Datum markiert seit 1905 den spätesten je beobachteten ersten Hurrikan einer Atlantiksaison. Bleibt es ruhig, fällt ein Rekord, der 121 Jahre gehalten hat. Noch seltener ist das, was danach kommen könnte: Nur 1907 und 1914 endeten ohne bekannten Hurrikan. Käme 2026 dazu, wäre es die dritte derartige Saison seit Beginn der Aufzeichnungen 1851 – und die erste seit über einem Jahrhundert. AccuWeather rechnet für den Rest der Saison mit null bis zwei Hurrikanen.
Kalifornien glüht, Ogasawara duckt sich
Zwei weitere Extreme laufen parallel. Südkalifornien erlebt Hochsommer im Oktober: Downtown Los Angeles erreichte am Freitag 103 Grad Fahrenheit und übertraf den Tagesrekord von 101 aus 1995. Am Montag steht die 101 von 1971 auf dem Spiel. Prognostiziert sind sieben Tage in Folge über 97 Grad – mehr als drei solche Tage hintereinander hat die Stadt im Oktober noch nie erlebt. Die über sechstägige Extreme Heat Warning ist bereits Oktoberrekord und fast doppelt so lang wie die bisherige Bestmarke; sie läuft vom 2. bis voraussichtlich 9. Oktober.
Im Westpazifik hat Choi-wan nachgelegt. Am Samstag zog der Taifun mit 965 hPa und Spitzenwind um 180 km/h nordnordostwärts über die Marianen; heute Mittag soll er die Gewässer bei den Ogasawara-Inseln südlich von Tokio erreichen. Die Prognose wurde deutlich verschärft: 925 hPa am 4. oder 5. Oktober. Für Ogasawara heißt das hohe Wellen von 6 bis 8 Metern von heute bis Dienstag, Regenwolken ab Montagmorgen und den heftigsten Niederschlag in der Nacht zum 6. Oktober.
Ein Blitz an einem griechischen Strand, ein Ozean ohne Hurrikan, 40 Grad in Kalifornien und ein Taifun vor Japan – alles am selben Sonntag. Die Atmosphäre verteilt ihre Energie gerade ausgesprochen unfair.