
Warum bringt eine ganze Kaltfront dem ausgetrockneten Rhein nichts – während der Kīlauea in einer Nacht fast 100 Beben abfeuert?
Der DWD braucht heute nur noch am Morgen eine Starkregen-Marke für den Süden – ab dem Wochenende übernimmt schon wieder ein Keil des Azorenhochs, niederschlagsarm bis zum 6. Oktober. Auf Hawaii war die Nacht deutlich unruhiger: fast 100 Beben unter dem Kīlauea, eine Magma-Intrusion am Halemaʻumaʻu u
Key Points
- Der DWD brauchte für diesen Freitag nur noch am Morgen im Süden eine Starkregen-Marke: 20 bis 35 l/m² in wenigen Stunden, danach keine Warnung mehr.
- Die Höchstwerte landen bei 18 bis 23 Grad – gestern waren vor der Front noch 25 drin.
- Schon ab dem Wochenende schiebt sich ein Keil des Azorenhochs heran: niederschlagsarm bis zum 6. Oktober.
- Unter dem Kīlauea registrierte das Observatorium in einer Nacht fast 100 Beben, das stärkste mit Magnitude 3,4 – Teile des Nationalparks sind gesperrt.
- Tropensturm Choi-wan stand heute früh rund 105 Meilen nördlich von Saipan und soll bis 3. Oktober Taifunstärke erreichen.
- In Nepal summieren sich die Opfer seit dem 24. September auf mindestens 43, am Himlung Himal fehlen weiter fünf Höhenarbeiter.
Eine Front, die ihre Rechnung nicht bezahlt
Das Hochdruckgebilde, das Deutschland wochenlang trockenlegte, hat am Donnerstag tatsächlich nachgegeben. Nur fällt die Bilanz heute Morgen ziemlich mager aus. Im Warnlagebericht von 3:16 Uhr steht genau zwei Dinge: lokal noch Starkregen im Süden, vereinzelt Nebel im Westen mit Sichtweiten unter 150 Metern. Das war's.
Das Regenband reichte in der Nacht vom Oberrhein über das Allgäu bis nach Schleswig-Holstein und ins westliche Mecklenburg – es schwächte sich dabei ab und kroch ostwärts. Nur noch punktuell im Süden kam der Niederschlag mit 20 bis 35 l/m² in wenigen Stunden in die Starkregen-Kategorie, dazu einzelne Gewitter. Ab dem späten Vormittag hielt der DWD überhaupt keine Starkregen- oder Gewitterwarnung mehr für nötig.
Der Tagesablauf kippt damit in Richtung Spätsommer-Restwärme: Süden, Osten und Nordosten bleiben wolkig bis stark bewölkt, der Regen fällt überwiegend morgens, zum Abend wird es freundlicher. Im Westen und Nordwesten reißt es nach der Nebelauflösung auf, es bleibt trocken. Der Wind weht schwach aus wechselnden Richtungen. 18 bis 23 Grad stehen auf der Karte – in Hamburg etwa 21, auf Fehmarn 18. In der Nacht zum Samstag bildet sich verbreitet wieder Nebel, teils unter 150 Meter Sicht.
Wer auf Entspannung gehofft hat, bekommt den Keil
Und dann ist der Spuk schon vorbei. Nach den europäischen Modellen rückt ein nacheilender Keil des Azorenhochs nach und hält sich bis in die zweite Oktoberdekade: stabil, weitgehend trocken, bis zum 6. Oktober nahezu niederschlagsfrei. Ein Durchbruch des Herbstes wird derzeit erst für den Zeitraum 12. bis 15. Oktober gerechnet.
Für den Rhein, der gerade Rekordtiefstände produziert, ist diese Front damit weniger eine Wende als eine Fußnote. Ein Regentag ersetzt kein Quartal.
Hawaii: 100 Beben, aber keine neue Lava
Deutlich lauter war die Nacht auf Hawaii. Am Kīlauea begann die Unruhe am Mittwoch gegen 14 Uhr Ortszeit, zwischen 20 Uhr und 3 Uhr morgens erreichte sie ihr Maximum: fast 100 Erdbeben im Gipfelbereich, das kräftigste mit Magnitude 3,4 kurz vor 22 Uhr.
Die Tiltmeter am Gipfel zeichneten dabei ein klares Muster – Magma schiebt sich in Ost-West-Orientierung flach unter den westlichen bis südlichen Rand des Halemaʻumaʻu. Eine Intrusion, kein Ausbruch an neuer Stelle: Der Vergleich der Webcam-Bilder vor und nach dem Ereignis zeigt weder frische Bodenrisse noch Lava außerhalb der bekannten Schlote. Seit 3 Uhr am 1. Oktober ist die Inflation des Gipfels abgeflacht, die Bebenrate sinkt. Nord- und Südschlot liefern weiter zeitweise Überläufe, Spattering und starkes Glühen.
Der Nationalpark reagierte vorsorglich: gesperrt sind der Bereich Keanakākoʻi, die Old Crater Rim Drive, die Aussichtspunkte am Keanakākoʻi-Krater und der Crater Rim Trail dorthin. Offen bleiben der Devastation-Parkplatz, der Puna Coast Trail und die Chain of Craters Road. Andernorts lief der Pazifische Feuerring routiniert weiter: Semeru schickte am 1. Oktober eine Aschewolke auf 15.000 Fuß (4.600 Meter), am Sakurajima gab es um 09:24 UTC eine Eruption.
Im Westpazifik lädt sich Choi-wan auf
Während der Atlantik in dieser Saison auffällig lahm bleibt, arbeitet der Westpazifik. Tropensturm Choi-wan – intern als 26W geführt – stand heute früh um 2 Uhr ChST etwa 105 Meilen nördlich von Saipan, bei rund 16,4° Nord und 147,5° Ost, mit 35 Knoten (65 km/h) nach Westen ziehend.
Für Saipan und Tinian gilt eine Tropical Storm Warning, der Gouverneur setzte beide Inseln auf Condition I; für Alamagan, Pagan und Agrihan steht ein Typhoon Watch. Erwartet werden Winde von 35 bis 45 mph mit Böen bis 60 mph mindestens bis Sonntag, in den Küstengewässern Südwest 25 bis 40 Knoten, Böen 55 Knoten, See 14 bis 20 Fuß. Die Prognose sieht Choi-wan heute als schweren Tropensturm, am 3. Oktober als Taifun – mit langsamer Rekurve nach Norden in Richtung der Ogasawara-Inseln zwischen dem 2. und 6. Oktober.
Nepal zählt weiter
Die bitterste Zahl des Tages kommt aus Nepal. Seit dem 24. September haben Fluten, Erdrutsche und andere regenbedingte Unglücke dort mindestens 32 Menschenleben gekostet; allein der Distrikt Baglung meldete am 1. Oktober 13 Tote, nachdem die Leiche einer seit dem 27. September vermissten Frau gefunden wurde. Von der Lawine, die am 27. September das Basislager am 7.126 Meter hohen Himlung Himal in Manang traf, wurden bislang elf Opfer geborgen – fünf der 16 Höhenarbeiter bleiben verschollen. Zusammengerechnet stehen damit mindestens 43 Todesopfer, und die Suche in verdichtetem Schnee und Lawinenschutt läuft.