Warum beginnt der Herbst erst heute Nacht um 02:05 Uhr – und warum startet auf der anderen Erdhälfte zeitgleich der heißeste Frühling der Messgeschichte?
Um 02:05 Uhr in der Nacht zu Mittwoch überquert die Sonne den Äquator: Deutschland verabschiedet den Sommer mit bis zu 23 Grad im Südwesten und Bodenfrost im Allgäu. Auf der Südhalbkugel beginnt zur gleichen Stunde ein Frühling, der der heißeste der australischen Messgeschichte werden könnte.
Key Points
- Astronomisch beginnt der Herbst erst heute Nacht um 02:05 Uhr – dann wandert der Sonnenzenit über den Äquator nach Süden.
- Deutschland bekommt einen ruhigen Abschiedstag: 17 bis 23 Grad, im Vogtland nur rund 14 – der DWD meldet keine markanten Wettergefahren.
- Im Allgäu sinkt die Temperatur in der kommenden Nacht auf 2 Grad, örtlich mit Bodenfrost.
- Australien läuft in den womöglich heißesten Frühling seiner Messgeschichte: bis zu 3 Grad über dem Mittel, nach dem wärmsten Winter überhaupt.
- Auf der japanischen Insel Oshima fielen binnen 24 Stunden 600 Millimeter Regen; Taifun *Dujuan* kostete zwei Menschen das Leben.
- In Kentucky und West Virginia warnte der Wetterdienst die zweite Nacht in Folge vor Tornados.
Ein Kipppunkt, keine Jahreszeit
Wer heute Morgen nach draußen schaut, sieht Herbst – offiziell ist er trotzdem noch nicht da. Erst um 02:05 Uhr in der Nacht zu Mittwoch überquert der Punkt, an dem die Sonne im Zenit steht, den Äquator in Richtung Süden. Von diesem Moment an sind unsere Nächte länger als die Tage, und die Luft bekommt jede Nacht ein paar Minuten mehr Zeit zum Auskühlen. Genau daraus folgt alles, was jetzt kommt.
Deutschland: ein stiller Dienstag zwischen Sturm und Frost
Der Montag hatte noch Krach gemacht: stürmische Böen der Stärke 8 an den Küsten, auf Brocken und Fichtelberg Stärke 9. Davon ist heute nichts mehr übrig. Der Wind weht nur noch schwach, die Warnkarte des DWD bleibt leer.
Von der Nordsee schieben sich tiefhängende Wolken bis ins Vogtland und Erzgebirge, am Erzgebirgskamm tröpfelt es am Vormittag etwas – sonst bleibt es verbreitet trocken. Am besten kommen Südwesten und Nordosten weg, dort setzt sich die Sonne durch, und im Südwesten stehen noch einmal bis zu 23 Grad auf dem Thermometer. Verbreitet sind es 17 bis 21 Grad, nur das Vogtland kommt mit etwa 14 Grad nicht aus der kühlen Ecke heraus.
Interessant wird die Nacht. Kaum Wind, wenig Wolken, dazu Nebelfelder – die ideale Konstellation zum Auskühlen: 10 bis 5 Grad, im Allgäu bis 2 Grad, stellenweise mit Bodenfrost. Das Gegenmodell liefert die Nordseeküste mit über 14 Grad, weil das Meer die Sommerwärme noch speichert. Der erste Frost der Saison und der astronomische Herbstbeginn fallen damit auf dieselbe Nacht – dramaturgisch lässt sich ein Jahreszeitenwechsel kaum besser setzen.
Australien: dieselbe Bewegung, umgekehrtes Vorzeichen
Während wir nach der Heizung suchen, passiert auf der anderen Erdhälfte das genaue Gegenteil – und das sieht dort nicht nach Romantik aus. Australien hat gerade den wärmsten Winter seiner Messgeschichte hinter sich; Westaustralien stellte auf Bundesstaatsebene einen Rekord auf, und in Yampi Sound zeigte das Thermometer am 26. August 41,6 Grad – der höchste dort je gemessene Winterwert. Die Prognose des Bureau of Meteorology vom 27. August traut dem Frühling von September bis November landesweit überdurchschnittliche Temperaturen zu, im Mittel bis zu drei Grad über dem Referenzwert der vergangenen Jahrzehnte. Das wäre der heißeste Frühling seit Beginn der Aufzeichnungen.
Die Vorschau ist bereits gelaufen: Anfang September kletterten Vororte von Sydney auf 33 Grad, bis zu 13 Grad über dem Septembermittel, angeschoben von trockener Nordwestluft aus dem Inland. Der Rural Fire Service verhängte für den Großraum ein totales Feuerverbot und stufte die Gefahr als *extrem* ein. Der Buschfeuer-Ausblick für den Frühling weist inzwischen in sieben Bundesstaaten und Territorien erhöhtes Risiko aus. Treiber ist ein El Niño, dessen Niño-3.4-Prognosen über +3,0 Grad hinausreichen – ein Wert dieser Größenordnung ist seit dem Beginn verlässlicher Messungen 1950 nicht dokumentiert.
Japan und USA: Wasser im Übermaß
Ostjapan zieht unterdessen die Bilanz eines Taifuns. *Dujuan* passierte am Montag rund 130 Kilometer südlich von Katsuura, mit Spitzen um 144 km/h. Auf Oshima summierten sich bis 14 Uhr Ortszeit 600 Millimeter in 24 Stunden – die JMA gab für die Insel die höchste Erdrutsch-Warnstufe 5 heraus. Zwei Menschen starben, mehr als 1,6 Millionen erhielten Evakuierungshinweise, JAL strich 135 und ANA 140 Flüge, selbst der Shinkansen zwischen Tokio und Osaka stand teilweise still. Heute beschleunigt das System nach Nordosten und wird außertropisch – Scherung, trockene Luft und kühleres Wasser nehmen ihm die Kraft.
In den USA zieht sich zugleich ein anderes Drama in die Länge: In den Tälern des Big und Little Sandy River in Kentucky und West Virginia warnte der Wetterdienst die zweite Nacht in Folge vor Tornados; im südöstlichen Ohio fielen 1 bis 2,5 Zoll Regen, 1 bis 3 Zoll können noch dazukommen. In den Appalachen bleibt die Hochwasserlage bis Mittwoch angespannt. Drei Kontinente, ein Datum, drei völlig verschiedene Extreme – und dazwischen ein deutscher Dienstag, der einfach nur schön ist.