19.9.2026· sinskimos@gmail.com

Warum atmen 12,5 Millionen Menschen in Südostasien gerade Rauch – während Deutschland sich heute in Sonne und Sturm teilt?

Indonesien steckt in der schwersten Brandsaison seit elf Jahren: 12,5 Millionen Menschen unter der Rauchdecke, 647 geschlossene Schulen in Sarawak und in Singapur die erste inselweit ungesunde Luft seit 2019. Der El Niño, der alles antreibt, erreicht seinen Höhepunkt erst im Spätherbst – Deutschland

Key Points

  • Indonesien kämpft mit der schwersten Brandsaison seit elf Jahren, die Feuer sitzen vor allem auf Borneo und Sumatra.
  • Von Januar bis August fielen landesweit rund 895.657 Hektar den Flammen zum Opfer – 34 Prozent mehr als im schweren El-Niño-Jahr 2019.
  • Über 12,5 Millionen Menschen in sieben Provinzen leben unter der Rauchdecke; die Zahl der Atemwegserkrankten stieg bis zum 9. September auf 113.336, am 1. September waren es 50.891.
  • Singapur registrierte am 15. September erstmals seit 2019 inselweit ungesunde Luft, im Zentrum stand der 24-Stunden-PSI bei 154.
  • Sarawak schickte vom 7. bis 11. September 647 Schulen in den Distanzunterricht, betroffen waren knapp 200.000 Kinder.
  • Die NOAA beziffert die Chance auf einen Super-El-Niño inzwischen auf 97 Prozent – seinen Höhepunkt erreicht er erst zwischen Oktober und Dezember.

Deutschland: eine Wetterscheide quer durchs Land

Wer heute südlich der Mainlinie aufwacht, wundert sich womöglich über die Überschrift. Dort und im Osten lösen sich am Vormittag die letzten Nebenfelder auf, danach übernimmt die Sonne, es bleibt trocken, und am Oberrhein sind noch einmal bis zu 26 Grad drin. Ansonsten pendeln die Höchstwerte zwischen 19 und 24 Grad – für die zweite Septemberhälfte ein durchaus großzügiges Angebot.

Die nördliche Hälfte bekommt ein anderes Drehbuch. Ein Tief wandert von Island Richtung Skandinavien und streift Norddeutschland mit seinen Ausläufern: viele Wolken, örtlich Regen, an den Küsten anhaltend nass. Dazu legt der Südwestwind zu. Über der Nordsee sind stürmische Böen der Stärke 8 wahrscheinlich, auf dem Brocken Sturmböen (Bft 9), einzelne schwere Sturmböen (Bft 10) schließt der DWD nicht aus. Morgen zieht das Ganze noch an: Dann weht es im Norden verbreitet stürmisch aus West bis Nordwest, an den Küsten mit Bft 9, dazu einzelne Gewitter mit Sturmböen.

Borneo brennt – und der Rauch bleibt nicht zu Hause

Der eigentliche Brennpunkt dieses Tages liegt allerdings rund 11.000 Kilometer weiter östlich. Indonesien erlebt die schwersten Waldbrände seit elf Jahren. Die Bilanz von Januar bis August: etwa 895.657 Hektar verbrannte Fläche, gut ein Drittel mehr als während des heftigen El-Niño-Zyklus 2019. Eine unabhängige Auswertung des Nusantara-Atlas kommt für das laufende Jahr auf knapp 300.000 Hektar. Betroffen sind vor allem Borneo und Sumatra – dort, wo Torfböden nach Monaten ohne nennenswerten Regen brennen wie Zunder.

Rauch kennt keine Grenzkontrollen. Er hat sich diese Woche über Malaysia und Brunei hinaus bis nach Singapur und auf die Philippinen geschoben; in der ersten Septemberwoche erreichte die Belastung auf Luzon, in den Visayas und auf Mindanao gesundheitsgefährdende Werte. In Singapur kletterte der 24-Stunden-PSI am 15. September erstmals seit 2019 auf der gesamten Insel über 100, die Zentralregion meldete 154; am 17. September lag sie erneut bei 102. Sarawak reagierte drastisch und schloss 647 Schulen in zwölf Distrikten für fünf Tage, fast 200.000 Schülerinnen und Schüler lernten zu Hause. Malaysia rief für die betroffenen Gebiete den Luftqualitäts-Notstand aus.

Am deutlichsten sprechen die Gesundheitsdaten. Das indonesische Gesundheitsministerium zählt in sieben Provinzen auf Borneo und Sumatra mehr als 12,5 Millionen Menschen, die dem Rauch ausgesetzt sind. Die Behandlungen wegen brandbedingter Atemwegserkrankungen haben sich binnen gut einer Woche mehr als verdoppelt: von 50.891 am 1. September auf 113.336 am 9. September.

Das Schlimmste könnte noch bevorstehen

Hinter der Trockenheit steckt ein alter Bekannter – und der ist noch längst nicht fertig. Im September-Update der NOAA liegt die Wahrscheinlichkeit für einen *Super*-El-Niño in Herbst und Winter bei 97 Prozent, für ein sehr starkes Ereignis bei über 90 Prozent. Alle 30 Ensemble-Mitglieder sehen das Ereignis auf Augenhöhe mit den stärksten der Messgeschichte; mit rund 70 Prozent Wahrscheinlichkeit wird es der stärkste seit mindestens 1950. 15 Modelle rechnen im Nino-3.4-Gebiet mit Abweichungen von +3,0 Grad oder mehr – jenseits der höchsten bisher definierten Kategorie. Der Gipfel wird zwischen Oktober und Dezember erwartet.

Übersetzt heißt das: Die Regenzeit, die diese Feuer eigentlich löschen müsste, kommt womöglich spät und schwach. Wer glaubt, die Haze-Krise sei im Abklingen, schaut auf die falsche Kurve.

Und obendrauf noch Vulkanasche

Als wäre die Luft nicht voll genug, mischt die Geologie mit. Am 18. September um 23:09 UTC meldete der Mayon auf Luzon eine Eruption mit Asche bis Flugfläche 100 – rund drei Kilometer Höhe, Drift nach Nordosten. Fast zeitgleich stieß der Ibu auf Halmahera eine Aschewolke bis etwa 2.100 Meter aus, für den Lewotolo auf den Kleinen Sundainseln lief ebenfalls eine Aschewarnung. Drei Ascheplumes und eine kontinentweite Rauchdecke über derselben Inselwelt: Über Südostasien ist der Himmel derzeit alles andere als leer.

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