15.9.2026· sinskimos@gmail.com

Wartet Kīlauea nach 104 Lava-Überläufen immer noch auf seinen großen Auftritt – während Deutschland heute die letzten 30 Grad abgreift?

104 Lava-Überläufe in fünf Tagen, 6,8 Tage Vorlauf – und trotzdem lässt der Kīlauea seine Fontäne warten, weil die Gipfel-Inflation über Nacht stehen blieb. Deutschland bekommt derweil letzte 30 Grad, bevor am Abend im Nordwesten Gewitter mit 25 Litern pro Quadratmeter durchziehen.

Key Points

  • Deutschland legt heute noch einmal 24 bis 29 Grad vor, regional sind 30 Grad drin – nur im äußersten Norden bleibt es bei rund 22 Grad.
  • Der Süden bekommt den Sonnenschein, im Nordwesten übernimmt ab dem Nachmittag die Kaltfront eines Nordseetiefs das Kommando.
  • Für Niedersachsen und Schleswig-Holstein stuft der DWD kräftige Gewitter als sehr wahrscheinlich ein: lokal 25 Liter pro Quadratmeter, kleinkörniger Hagel, Böen um 55 km/h.
  • Auf Hawaii hat das USGS zwischen dem 7. und 12. September 104 Lava-Überläufe gezählt – die Vorlaufphase zu Episode 55 ist mit 6,8 Tagen die längste seit Episode 4.
  • Weil die Gipfel-Inflation des Kīlauea über Nacht stehen blieb, verschiebt sich die erwartete Fontäne erneut; es gilt weiter Alarmstufe WATCH.
  • Copernicus beziffert den August 2026 auf 16,96 °C – gemeinsam wärmster Monat der Messgeschichte, mit einem außerpolaren Ozean auf Rekordtemperatur.

Deutschland: Ein Sommertag mit Ablaufdatum am Abend

Es gibt Tage, die zwei völlig verschiedene Wetterberichte gleichzeitig verdienen – heute ist so einer. Wer in Bayern, Baden-Württemberg oder am Alpenrand aus dem Fenster schaut, sieht Spätsommer in Reinform: viel Sonne, kaum Wolken, dazu Höchstwerte zwischen 24 und 29 Grad. In den begünstigten Ecken des Südwestens knackt das Thermometer noch einmal die 30-Grad-Marke. Für Mitte September ist das eine Ansage.

Nur: Dieses Bild hat eine Haltbarkeitsgrenze, und sie liegt beim Sonnenuntergang. Über der Nordsee hat sich ein Tief in Stellung gebracht, dessen Kaltfront ab dem Nachmittag die Nordwesthälfte erreicht. DWD-Meteorologe Markus Eifried beschreibt den Nordwesten schon jetzt als den unbeständigen Landesteil – von der See her schieben sich immer wieder Schauer und kurze Gewitter aufs Festland. Am Abend wird daraus Ernst: schauerartiger Regen, einzelne kräftige Gewitter, lokal bis zu 25 Liter pro Quadratmeter, dazu Hagel. Besonders Niedersachsen und Schleswig-Holstein stehen auf der Liste, mit Böen um 55 km/h und gewittrigem Starkregen, den der DWD dort als sehr wahrscheinlich einstuft.

Der Wind kommt tagsüber schwach bis mäßig aus Süd bis Südwest, an der Nordsee frischt er stark böig auf. In der Nacht wandert die Gewitterlinie dann von Nordwesten nach Südosten quer über das Land, Sturmböen und Starkregen inklusive. Und der Mittwoch setzt nach: In der Südosthälfte rechnet der DWD mit einzelnen Gewittern, die rund 20 Liter pro Quadratmeter in einer einzigen Stunde abladen können, dazu Sturmböen um 70 km/h. Lokal reicht das für Unwetterwarnungen. Aus 30 Grad Sonne wird also binnen 36 Stunden ein Fall für die Blitzkarte.

Hawaii: 104 Anläufe – und immer noch kein Feuerwerk

Während bei uns die Front rollt, übt sich ein Vulkan in Geduld. Der Kīlauea auf Big Island steht kurz vor Episode 55 seiner Gipfel-Eruption – seit über einer Woche. Zwischen dem 7. und 12. September registrierte das Hawaiian Volcano Observatory sage und schreibe 104 kurze Lava-Überläufe aus dem Nordschlot im Halemaʻumaʻu-Krater. Die Dom-Fontänen legten dabei zu, von anfangs 5 bis 10 Metern auf zuletzt 10 bis 15 Meter, und die Spatter-Ausbrüche haben rund um den Schlot bereits einen kleinen Kegel aufgetürmt.

Das klingt nach Countdown – und ist doch eine Hängepartie. Mit 6,8 Tagen ist diese Vorlaufphase die längste, seit der Vulkan nach Episode 4 auf hohe Fontänen umgestellt hat. In der vergangenen Nacht kam die Gipfel-Inflation, also das Aufblähen des Berges durch nachströmendes Magma, zusätzlich ins Stocken. Ergebnis: Der große Auftritt verzögert sich wieder. Zum Vergleich, worauf hier gewartet wird – bei Episode 54 am 25. August schoss die Fontäne aus dem Nordschlot rund 150 Meter hoch. Ost- und Südwest-Riftzone bleiben derweil ruhig, das USGS hält Alarmstufe WATCH und den Luftfahrt-Farbcode ORANGE.

Der große Rahmen: ein Ozean auf Anschlag

Zoomt man heraus, wird die Ruhe an anderer Stelle fast unheimlich. Der Atlantik bleibt rekordverdächtig still; das National Hurricane Center beobachtet lediglich ein subtropisches Gebiet mit rund 40 Prozent Entwicklungschance. Der Grund dafür sitzt im Pazifik – und er hat gerade Zahlen geliefert.

Copernicus meldet für den August 2026 eine globale Mitteltemperatur von 16,96 °C: gemeinsam mit dem Juli 2023 der wärmste je gemessene Monat, und deutlich über der 1,5-Grad-Schwelle gegenüber vorindustriellem Niveau. Gleichzeitig erreichte die Oberflächentemperatur der außerpolaren Ozeane einen Rekordwert. Im zentralen und östlichen tropischen Pazifik liefen großflächig marine Hitzewellen, weil sich El Niño ungewöhnlich früh und ungewöhnlich schnell aufgebaut hat. Für Westeuropa und die zusammenhängenden USA war es der heißeste Sommer der Messgeschichte.

Zwischen einem Vulkan, der nicht loslegt, einem Atlantik, der nichts liefert, und einem Ozean, der Rekorde bricht, wirkt ein deutscher 30-Grad-Dienstag mit Abendgewitter fast wie ein normaler Wetterbericht. Ist er aber nicht.

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