18.9.2026· sinskimos@gmail.com

Wächst das Ozonloch gerade fünf Millionen Quadratkilometer über den Schnitt – während das Arktiseis nur durch Zufall keinen Rekord bricht?

An beiden Polen passiert diese Woche etwas Bemerkenswertes: Über der Antarktis dehnt sich das Ozonloch auf rund 25 Millionen Quadratkilometer aus, weit über dem Saisonmittel, und in der Arktis blieb das Eisminimum nur deshalb vom Rekord entfernt, weil im August ein kaltes Tief dazwischenging. Bei un

Key Points

  • Das antarktische Ozonloch maß am 12. September rund 25 Millionen Quadratkilometer – etwa 5 Millionen mehr als im Schnitt dieser Jahreszeit.
  • Schuld ist ein plötzlicher Temperatursturz in etwa 20 Kilometern Höhe (50-hPa-Niveau), der polare Stratosphärenwolken entstehen ließ.
  • Bereits Ende August war die Fläche des Lochs größer als die Antarktis selbst.
  • Am Nordpol lag das Meereis-Minimum Mitte September bei etwa 4,60 Millionen Quadratkilometern – knapp 15 Prozent unter jedem Minimum vor 2007.
  • Der Rekord von 2012 (3,39 Millionen km² am 17. September) hielt nur, weil ein kaltes Tief im August die Schmelze ausbremste.
  • In Deutschland zieht heute eine neue Kaltfront vom Nordwesten zur Landesmitte: 18 bis 22 Grad, an der Nordsee stürmische Böen bis 70 km/h.

Deutschland: eine Front, die niemanden erschreckt

Fangen wir klein an. Über dem Nordwesten ist in der vergangenen Nacht die nächste Kaltfront angelandet und arbeitet sich im Lauf des Tages zur Landesmitte vor. Von Nordrhein-Westfalen über Niedersachsen bis an die Ostsee zieht immer wieder Regen durch, zur Nordsee hin lösen sich die Niederschläge in Schauer auf. Wirklich flächendeckend nass wird es nicht – die Front hat wenig Substanz.

Die Temperaturen bleiben im herbstlichen Rahmen: 18 bis 22 Grad, in längeren sonnigen Abschnitten auch mal 24, direkt neben einem Schauer dagegen nur rund 15. Interessanter ist wieder der Wind. An den Küsten und im Binnenland Schleswig-Holsteins kommen starke Böen bis 60 km/h aus West bis Südwest auf, an exponierten Nordseeabschnitten und auf den Inseln stürmische Böen bis 70 km/h (Bft 8). In den Frühstunden waren im Nordseeumfeld sogar kurze Gewitter mit Böen um 65 km/h möglich. Nachts kühlt es auf 15 Grad an der Nordsee und 6 bis 7 Grad in den süddeutschen Mittelgebirgen ab.

Südpol: ein Loch, größer als der Kontinent darunter

Und jetzt der Blick nach ganz unten. Der Copernicus Atmosphere Monitoring Service hat für den 12. September eine Fläche von rund 25 Millionen Quadratkilometern für das antarktische Ozonloch ermittelt – etwa fünf Millionen über dem, was um diese Zeit üblich ist. Zur Einordnung: Schon Ende August war das Loch größer als die Antarktis.

Bemerkenswert ist der Verlauf. Bis in die zweite Augusthälfte hinein entwickelte sich alles genau so, wie man es aus 46 Jahren Beobachtung kennt. Dann, in der ersten Septemberhälfte, schoss die Fläche nach oben. Der Grund liegt in rund 20 Kilometern Höhe über dem Südpol: Dort sackte die Minimumtemperatur abrupt ab, und unterhalb einer bestimmten Schwelle bilden sich polare Stratosphärenwolken. An deren Oberflächen werden Halogenverbindungen chemisch aktiviert – und sobald im Südfrühling die Sonne wieder auf die Stratosphäre trifft, zerlegen sie Ozon.

Eine Einschränkung gehört dazu: Groß ist vor allem die *Fläche*. Der niedrigste gemessene Ozonwert im Inneren des Lochs und die insgesamt fehlende Ozonmenge liegen nahe am langjährigen Mittel. Das Loch ist also eher ausgedehnt als tief.

Nordpol: Der Rekord fiel nicht – aber nur knapp

Die Arktis hat in der Zwischenzeit ihr sommerliches Minimum hinter sich gebracht. Die vorläufige NSIDC-Auswertung nennt Mitte September rund 4,60 Millionen Quadratkilometer, je nach Datensatz den zehnt- oder elftniedrigsten Wert seit Beginn der Satellitenära 1979. Klingt nach Mittelmaß – ist es nicht: Der Wert liegt fast 15 Prozent unter jedem einzelnen Minimum, das vor 2007 gemessen wurde. Die Messlatte ist schlicht verrutscht.

Spannend ist der Weg dorthin. Im August lief die Eisfläche noch fast deckungsgleich mit 2012, dem Katastrophenjahr mit 3,39 Millionen km² am 17. September – ein Rekord, der bis heute steht. Dass er auch 2026 stehen blieb, verdankt die Arktis einem kaltkernigen Tief, das sich über den zentralen Arktischen Ozean legte und die Schmelze rechtzeitig bremste. Der Winter davor hatte übrigens die niedrigste jemals gemessene Maximalausdehnung gebracht. Ein Rekord, der ausbleibt, ist eben noch keine Entwarnung – nur eine günstige Wetterlage.

Japan: Dujuan nimmt die erste Hürde

Zurück in die Troposphäre: Tropensturm Dujuan erreicht heute und morgen mit Sturmwinden die Ogasawara-Inseln. Der Kerndruck liegt bei rund 985 hPa, die Windgeschwindigkeit geht leicht von etwa 95 auf 91 km/h zurück. Am 20. September dreht das System nach Norden – und damit mitten in die Silver Week vom 19. bis 23. September hinein, mit Ostjapan und der Kantō-Region im Visier.

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