
Wachsen neben dem Krakatau gerade zwei neue Inseln aus dem Meer – während Deutschland am Feiertag keine einzige Warnung braucht?
Einen Monat nach dem Ausbruch des Anak Krakatau haben ESA-Satelliten zwei Landstücke entdeckt, die vorher nicht da waren – und die Hauptinsel ist um 33 Hektar gewachsen. Deutschland erlebt den 3. Oktober dagegen mit Nebel, Sonne und 24 Grad, während auf Kreta nach 361 Millimetern Regen die zweite St
Key Points
- Die Sentinel-Satelliten der ESA haben neben dem Anak Krakatau zwei zuvor nicht existierende Inseln ausgemacht – 760 Meter nordwestlich und 495 Meter südwestlich des Kraters.
- Lavaströme haben die Küstenlinie umgeformt und die Hauptinsel um rund 33 Hektar wachsen lassen.
- Der DWD ging um 00:04 Uhr ohne eine einzige aktive Warnung in den Feiertag: bis 24 Grad, nachts nicht unter 6 Grad.
- Im kretischen Anogia kamen zwischen Mittwoch und Donnerstagmittag 361,4 Millimeter zusammen; ein 79-jähriger Hirte starb in einer Schlucht.
- Kreta bleibt bis Sonntag auf Red Code – die zweite, stärkere Sturmwelle kulminiert ausgerechnet heute.
- Choi-wan stand heute 306 Kilometer nordnordwestlich von Saipan und klettert auf Taifunstärke mit 970 hPa.
- Für Los Angeles läuft bis mindestens Donnerstag eine Extreme Heat Warning, Downtown erwartet 99 bis 103 Grad Fahrenheit.
Ein Vulkan, der sich selbst neues Land anbaut
Manche Nachrichten wirken wie aus der Erdgeschichte abgeschrieben. Anfang September hatte der Anak Krakatau – gut 150 Kilometer von Jakarta entfernt – eine Wolke aus Asche und Lava ausgeworfen. Vier Wochen danach fiel Auswertern auf Bildern der europäischen Sentinel-Erdbeobachtungssatelliten etwas auf, das auf älteren Aufnahmen fehlt: zwei kleine Inseln. Die eine liegt 760 Meter nordwestlich des Vulkans, die zweite knapp 495 Meter südwestlich.
Dazu kommt, was an der bekannten Insel selbst passiert ist: Die Lavaströme haben die Küstenlinie neu gezeichnet und die Fläche um etwa 33 Hektar erweitert. Ob die beiden Neuzugänge eigene, frische Eruptionszentren markieren oder bloß abgelagertes Material sind, ist ausdrücklich noch nicht geklärt – genau das macht den Fund für Vulkanologen so interessant. Der Krakatau, berüchtigt seit 1883, baut sich seinen Archipel offenbar gerade selbst um.
Deutschland: ein Feiertag, an dem der DWD nichts zu tun hat
Zwischen Vulkanbau und Mittelmeer-Chaos liegt Deutschland heute auffällig entspannt. Als der Deutsche Wetterdienst um 00:04 Uhr seinen Warnlagebericht herausgab, war keine einzige Warnung in Kraft, und für den Tag der Deutschen Einheit rechnete er mit keinen markanten Wettererscheinungen. Das ist bemerkenswert, denn 1. und 2. Oktober liefen anders: Starkregen, in Teilen mehrerer Bundesländer Warnstufe Orange (Stufe 2 von 4), vom Nachmittag bis in die Nacht. Diese Front ist inzwischen nach Osten abgewandert.
Bleibt also das, was der Herbst im Oktober selten so liefert: In der Nacht und am Morgen baute sich örtlich dichter Nebel auf, davor hatte der DWD sogar als markantes Wetter gewarnt. Löst er sich auf, folgen viel Sonne und nur wenige Wolken, die Spitzenwerte reichen an 24 Grad. Frankfurt und Freiburg liegen bei rund 23 Grad; wo der Hochnebel zäh liegen bleibt, kommen nur 16 bis 19 Grad zusammen. Unter 6 Grad fällt das Thermometer in der Nacht nirgends. Der Sonntag wird dann unruhiger: 17 bis 23 Grad, in der Nordhälfte und an den Alpen einzelne Schauer, vereinzelt auch ein Gewitter.
Kreta: 361 Millimeter – und die zweite Welle kommt heute
Wie schnell das kippen kann, zeigt dieselbe Großwetterküche ein paar Flugstunden südöstlich. Die Station des Nationalen Observatoriums Athen in Anogia (Regionalbezirk Rethymno) summierte zwischen Mittwoch und Donnerstagmittag 361,4 Millimeter – mehr, als manche deutsche Region in einem halben Jahr sieht.
Die Folgen las man beim Staatssender ERT: volle Häuser und Geschäfte, überflutete Straßen, Erdrutsche quer über die Fahrbahnen, eine eingestürzte Brücke, gesperrte Schluchten. Im Raum Iraklion spülten die Fluten Fahrzeuge bis ins Meer, der Fluss Drakouliaris trat über die Ufer. Ein 79 Jahre alter Hirte, seit dem Unwetter vermisst, wurde tot in einer Schlucht bei Karines gefunden. In der besonders getroffenen Gemeinde Mylopotamos gilt offiziell der Notstand des Zivilschutzes.
Entwarnung gibt es nicht. Der griechische Zivilschutz hält die Insel bis Sonntag auf der höchsten Stufe Red Code, und Meteorologen markierten Freitagabend bis Samstagmorgen als gefährlichste Phase: Die zweite Sturmwelle gilt als die stärkere und erreicht ihren Höhepunkt am Samstag, erst gegen Abend soll es besser werden. Über der Ägäis schiebt kräftiger Nordostwind lokal 8 bis 9 Beaufort heran, Böen über 80 km/h bis in den Samstagnachmittag. Betroffen sind auch Urlaubsgebiete wie Chersonissos, Sitia und die Lasithi-Hochebene.
Westpazifik und Kalifornien: zwei Extreme am selben Tag
Im Westpazifik hat sich bestätigt, was sich gestern abzeichnete: Choi-wan, Taifun Nummer 27 der Saison, stand heute 306 Kilometer nordnordwestlich von Saipan und zog mit 15 km/h nach Norden. Zum 00:00-UTC-Termin erreichte das System Taifunstärke – 970 hPa, 65 Knoten (120 km/h) und Böen bis 95 Knoten (175 km/h). Das Maximum wird für den 4. bis 5. Oktober gerechnet, mit 950 hPa und 80 Knoten, Böen bis 115 Knoten (215 km/h). Die Ogasawara-Inseln stellen sich für den 5. bis 6. Oktober auf Dauerwind, Starkregen und Wellen über sechs Meter ein.
Und während Deutschland bei 24 Grad spazieren geht, liefert Südkalifornien Hochsommer im Oktober: Der NWS hat für den Großraum Los Angeles von Freitag bis mindestens kommenden Donnerstag eine Extreme Heat Warning ausgegeben. Downtown soll 99 bis 103 Grad Fahrenheit erreichen, die Täler 102 bis 107. Am Montag rückt der Tagesrekord von 101 Grad aus dem Jahr 1971 in Reichweite. Laut NWS-Meteorologe Ryan Kittell war diese Saison schon heißer – aber kaum eine Hitzewelle so langlebig: 10 bis 15 Grad Fahrenheit über dem Normalwert, und das bis weit in die neue Woche. Die Schwelle für Red-Flag-Warnungen wird voraussichtlich nicht gerissen, hoch bleibt das Brandrisiko trotzdem.
Zum Schluss noch eine Randnotiz vom Feuerring: Mexikos Erdbebendienst SSN registrierte am 2. Oktober einen Schwarm entlang der Pazifikküste – Colima, Jalisco, Guerrero, Oaxaca, Chiapas. Das stärkste Beben erreichte Magnitude 4,7, um 00:53 Uhr, 34 Kilometer südlich von Manzanillo in zehn Kilometer Tiefe.