
Verschiebt der stärkste El Niño der Messgeschichte alle Taifune nach Japan – und löscht gleichzeitig die Hurrikane im Atlantik?
Japan bekommt mit Choi-wan und Koguma den zweiten Supersturm binnen Tagen, der Atlantik hat nach acht benannten Stürmen noch keinen einzigen Hurrikan – und dazwischen sitzt ein El Niño, der mit 3,11 Grad Abweichung jeden Messwert seit 1950 übertrifft. Deutschland erlebt heute den letzten milden Tag,
Key Points
- Heute ist in Deutschland der letzte ruhige Tag: nach Frühnebel setzt sich fast überall die Sonne durch, am Rhein und im Südwesten werden 21 bis 24 Grad erreicht, sonst 17 bis 21 Grad.
- Ab Mittwochabend zieht eine Kaltfront von Westen durch und bringt Polarluft – die Werte stürzen von 25 Grad am Mittwoch auf 10 bis 15 Grad am Donnerstag und regional 8 bis 12 Grad am Freitag.
- In den Alpen fällt die Schneefallgrenze am Donnerstag auf rund 1500 Meter, zum Wochenende im Allgäu und um Berchtesgaden auf etwa 1000 Meter; in den Bergen sind 10 bis 20 Zentimeter Neuschnee zu erwarten.
- Taifun Choi-wan erreichte Spitzenwinde von 135 Knoten – knapp unter Kategorie 5 – und liegt heute Morgen mit 945 hPa und 45 Metern pro Sekunde bei den Ogasawara-Inseln, wo die See stellenweise 9 Meter überschritten hat.
- Unmittelbar dahinter formiert sich Koguma, der sich laut Prognose binnen 60 Stunden auf etwa 120 km/h verstärkt.
- Der Atlantik steht nach acht benannten Stürmen weiter bei null Hurrikanen; am 8. Oktober fällt die Bestmarke von 1905 für den spätesten ersten Hurrikan.
- Der Grund sitzt im Pazifik: Die Tägliche Abweichung in Niño 3.4 erreichte am 21. September 3,11 Grad und löste den Rekord von 3,08 Grad aus dem Jahr 2015 ab.
Noch einmal Altweibersommer – und zwar zum letzten Mal
Wer heute Vormittag auf die ZAPOLLO-Karte schaut, sieht über Mitteleuropa Nebelfelder, die sich zäh auflösen. Danach übernimmt die Sonne. Am Oberrhein und im Südwesten stehen 21 bis 24 Grad auf dem Programm, im Rest des Landes 17 bis 21 Grad. Blitze, Sturm, Warnfarben: nichts davon. Genau das ist bemerkenswert, denn diese Ruhe hat ein Ablaufdatum – Mittwochabend.
Dann nämlich dreht die Grosswetterlage, und zwar nicht halb, sondern vollständig. Von Westen schiebt sich eine Kaltfront heran, in deren Rücken Polarluft nach Mitteleuropa strömt. Die Zahlen dazu sind drastisch: 25 Grad am Mittwoch, 10 bis 15 Grad am Donnerstag, am Freitag stellenweise nur noch 8 bis 12 Grad. Macht bis zu 15 Grad Unterschied in kaum mehr als zwei Tagen.
Aprilwetter im Oktober – mit Graupel und Sturmböen
Die Nacht zum Donnerstag bringt im Norden Regen und zeitweise stürmischen Wind, auf den Bergen Sturmböen. Hinter der Front wird es dann das, was Meteorologen gerne als *Aprilwetter im Oktober* beschreiben: Sonne, Wolken und kräftige Schauer in rascher Folge, vereinzelt auch kurze Graupelgewitter. Am Donnerstag selbst erwartet der DWD vor allem in der Nordwesthälfte erneut Gewitter mit Starkregen, dazu sind Sturmböen möglich.
Und die Alpen? Dort zeigt sich der Umschwung am deutlichsten. Am Donnerstag rutscht die Schneefallgrenze auf etwa 1500 Meter, zum Wochenende hin im Allgäu und in der Region Berchtesgaden auf rund 1000 Meter. 10 bis 20 Zentimeter Neuschnee sind in den Bergen drin – im Flachland bleibt es vorerst beim Regen.
Japan arbeitet im Taifun-Takt
Während Europa in den Herbst kippt, läuft der Westpazifik auf Anschlag. Choi-wan schraubte sich über auffallend warmem Meerwasser auf 135 Knoten – das sind 155 Meilen pro Stunde und damit haarscharf unter Kategorie 5. Heute Morgen steht der Sturm mit 945 hPa und 45 Metern pro Sekunde bei den Ogasawara-Inseln südlich von Tokio, die zwischen dem 5. und 6. Oktober in die Zone der heftigsten Winde geraten. Die See hat dort teilweise die 9-Meter-Marke gerissen, rund um die Inseln sind 6 bis 8 Meter prognostiziert. Danach beschleunigt Choi-wan nordnordöstlich über die Gewässer östlich Japans.
Pause gibt es keine: Direkt im Kielwasser hat sich Koguma gebildet, derzeit noch ein Tropensturm mit 65 km/h, etwa 257 Kilometer nördlich von Kwajalein. Die Vorhersage sieht eine Verstärkung auf etwa 120 km/h innerhalb von 60 Stunden; bremsend wirkt zunächst östliche Scherung, die danach abnehmen soll. Japan sammelt in diesem Oktober also Systeme, nicht einzelne Ereignisse.
Und der Atlantik? Liefert einfach nicht
Dieselbe Erde, umgekehrte Vorzeichen. Der Atlantik hat 2026 acht benannte Stürme produziert und keinen einzigen Hurrikan – ein Novum im Satellitenzeitalter. Der 8. Oktober ist das späteste Datum, an dem je ein erster Hurrikan einer Saison entstand, aufgestellt 1905. Passiert bis dahin nichts, und die Modelle sehen für mindestens zwei Wochen keine Entwicklung, schreibt sich 2026 tiefer in den Kalender als jede Saison vor ihm. Ganz ohne Hurrikan blieben bisher nur 1907 und 1914.
Der Schlüssel liegt im tropischen Pazifik. Die tägliche Abweichung im Gebiet Niño 3.4 kletterte am 21. September auf 3,11 Grad und übertraf damit den Wert von 3,08 Grad aus 2015. Für Oktober bis Dezember liegt die Wahrscheinlichkeit bei 75 Prozent, dass dieses Ereignis jedes seit 1950 registrierte übertrifft. Ein solcher Super-El-Niño pumpt Scherung in die Hauptentwicklungsregion des Atlantiks – und schafft im Pazifik genau die Bedingungen, die Choi-wan in zwei Tagen hochgezogen haben.
Rekordhitze im Westen, Asche im Osten
Die Nebenwirkungen sind global verteilt. In Seattle wurden im Oktober schon sechsmal mehr als 75 Grad Fahrenheit gemessen – der alte Rekord von fünf Tagen stammt aus 1991; Portland steuerte auf 85 Grad zu, während die Bestmarke für den 4. Oktober seit 1952 bei 84 Grad lag. In Südkalifornien gelten Extreme-Heat-Warnungen bis zum 8. Oktober, die Temperaturen liegen 15 bis 20 Grad über dem Normalwert, im Central Valley bei gut 100 Grad Fahrenheit. An der Golfküste dagegen galt eine Flutwarnung für Teile von Jefferson, Orleans und St. Bernard Parish bei 1 bis 3 Zoll, lokal 5 Zoll und mehr; am Wochenende könnte sich in der Bay of Campeche ein tropisches System bilden.
Dazu die Vulkane: Der Semeru auf Java schickte heute Morgen eine 900 Meter hohe Aschewolke über den Gipfel, Alarmstufe III (Siaga). Der Scheweluch auf Kamtschatka kam gestern auf 22.000 Fuß (6.700 Meter), und am Kīlauea glühen Nord- und Südschlot weiter bei Alarmstufe WATCH und Luftfahrtcode ORANGE.
Globaler Hintergrund: Der August 2026 war mit 1,65 Grad über dem vorindustriellen Niveau der wärmste Monat der Messreihe – und enthielt laut Copernicus mehr Wasserdampf als jeder andere. Warmes Wasser, feuchte Luft, verschobene Zugbahnen: Der Pazifik baut Supertürme, der Atlantik schweigt, und Deutschland verliert in 72 Stunden den Sommer.