Trifft auf Big Island morgen ein Kategorie-3-Hurrikan auf einen eruptionsbereiten Vulkan – während Deutschland zwischen Bodenfrost und 30 Grad schwankt?
Auf Hawaiis größter Insel laufen zwei Ausnahmezustände ineinander: Nolo soll am Samstag als Kategorie-3-Hurrikan bis auf 50 Meilen an die Südspitze heran und bis zu 35 Zoll Regen abladen, während der Kīlauea mit 22 Schlot-Überläufen seit Montag an der Schwelle zur nächsten Fontänen-Episode steht. De
Key Points
- Nolo wurde am Donnerstag zum Hurrikan hochgestuft; für Samstag erwartet das NHC einen Kategorie-3-Sturm in nur 50 Meilen Abstand zur Südspitze von Big Island.
- Die Regenprognose für die Insel lautet 15 bis 30 Zoll, punktuell 35 – genug für lebensgefährliche Sturzfluten und Hangrutsche.
- Auf derselben Insel steht der Kīlauea unter Beobachtung: seit dem 22. September 22 Überläufe aus dem Nordschlot, 15,8 Mikroradian Inflation am Gipfel.
- Der Hawaiʻi Volcanoes National Park ist seit Donnerstag 17 Uhr komplett dicht – geschlossen hat ihn allerdings der Hurrikan, nicht die Lava.
- In Deutschland trennt sich der Freitag: 16 bis 20 Grad und Schauer im Nordosten, 18 bis 25 Grad und Sonne im Südwesten.
- Ab Samstag übernimmt ein Hoch – bis 27 Grad, im Süden Richtung 30, für das letzte Septemberwochenende ein ungewöhnlicher Wert.
Deutschland: erst Nebelsuppe, dann Hochdruck
Wer heute früh unterwegs war, ist vermutlich durch Watte gefahren. In der zurückliegenden Nacht sank die Sichtweite gebietsweise unter 150 Meter, und im Süden sowie über den mittleren Landesteilen rutschte das Thermometer örtlich auf minus 1 Grad – der erste leichte Frost dieses Herbstes für manche Region. Tagsüber teilt sich die Republik: Über dem Osten und Nordosten hängen Wolken, aus denen es hier und da tropft, dazu mäßiger Wind aus West und an den Küsten kräftige Böen. Zwischen 16 und 20 Grad kommt da nicht viel Wärmegefühl auf. Westlich davon frisst sich die Sonne durch den Nebel, und im Südwesten stehen 18 bis 25 Grad auf dem Zettel.
Der eigentliche Auftritt kommt aber erst. Zum Wochenende schiebt sich ein Hochdruckgebiet über Mitteleuropa und dreht die Werte nach oben: bis zu 27 Grad am Samstag, in der Nordhälfte 24 bis 28, im Süden nähert man sich der 30. Ende September ist das vielerorts rekordverdächtig. Kühle Morgen, milde Nachmittage, dazwischen viel Blau – Altweibersommer, wie ihn das Lehrbuch beschreibt.
Hawaii: zwei Katastrophenszenarien, eine Insel
Und dann gibt es Orte, an denen sich diese Woche ganz anders anfühlt. Nolo kriecht mit gerade einmal 3 Meilen pro Stunde nach Nordnordost, und genau diese Langsamkeit macht ihn gefährlich: Was sich kaum bewegt, regnet sich an Ort und Stelle aus. 15 bis 30 Zoll für Big Island, Maximalwerte bis 35, für die übrigen Inseln 1 bis 3 Zoll mit Spitzen um 6. Dazu Böen von 40 bis 60 Meilen pro Stunde über Hawaii und Maui County, im Inselsüden und in den Höhenlagen deutlich mehr. Seit heute laufen die ersten Dünungen an den Ost- und Südküsten auf; die Brandung dort ist nicht mehr zum Schwimmen geeignet, sondern lebensbedrohlich.
Parallel dazu schaut das Vulkanobservatorium HVO auf den Kīlauea. Episode 54 der Halemaʻumaʻu-Eruption lief am 25. August aus, seit dem 22. September quillt der Nordschlot wieder über – 22 Mal inzwischen, mit Fontänen von 15 bis 30 Fuß Höhe. Der Nord-, der Süd- und der Westschlot glühen, immer wieder fliegt Spratzer-Lava. Rund 15,8 Mikroradian hat sich der Gipfel seit dem Ende von Episode 54 aufgebläht. Wann die nächste Fontäne kommt, will trotzdem niemand sagen: Die Abfolge von Aufblähung und Absacken ist derzeit zu sprunghaft für eine belastbare Prognose. Es gilt Warnstufe WATCH, Luftfahrt-Code ORANGE. Geschlossen wurde der Nationalpark am Donnerstagnachmittag am Ende doch nicht wegen des Vulkans – sondern wegen des Sturms.
Nordamerika und ein Ozean, der schweigt
An der US-Ostküste hat sich der Nor'easter inzwischen aufgebaut. Von North Carolina bis hinauf nach Nantucket wird mit mäßiger bis schwerer Küstenüberflutung gerechnet, das größte Risiko liegt im Südosten Virginias. Kurios bleibt dabei die Bilanz des Atlantiks: Nicht ein einziger Hurrikan ist dort in dieser Saison entstanden – am 11. September wurde der Rekord für den spätesten Erst-Hurrikan der Satellitenära gerissen. Die Wärme und die Energie sind schlicht in den Pazifik abgewandert, dorthin, wo El Niño gerade die Regie führt. Dass Hawaii innerhalb von zwei Wochen den zweiten schweren Sturm abbekommt, während der Atlantik leerläuft, ist kein Widerspruch. Es ist dieselbe Geschichte, nur von der anderen Seite erzählt.