Stürzt Deutschland in 72 Stunden von 24 auf 8 Grad – während Los Angeles seine längste Oktober-Hitzewarnung aller Zeiten durchlebt?
Heute noch 24 Grad und Hochdruckruhe, am Donnerstag nur noch 8 bis 12 Grad und am Wochenende Neuschnee bis auf 1000 Meter: Ein Polarwirbel, der Richtung Skandinavien wandert, dreht Deutschland binnen drei Tagen den Spätsommer ab. In Los Angeles passiert zur selben Zeit das genaue Gegenteil – dort lä
Key Points
- Deutschland liegt heute noch in einer Hochdruckzone, die vom Atlantik bis nach Osteuropa reicht: 17 bis 24 Grad, dazu im Osten Nebel mit Sichtweiten unter 150 Metern.
- Mittwoch zeigt das Thermometer noch 15 bis 20 Grad, Donnerstag nur noch 8 bis 12 – ein Minus von bis zu 15 Grad in zwei Tagen.
- Verantwortlich ist ein Polarwirbel, der von Polarluft über Ostkanada gefüttert wird und bis zur Wochenmitte nach Skandinavien wandert.
- Zum Wochenende rutscht die Schneefallgrenze in den Alpen auf etwa 1000 Meter; Allgäu, Berchtesgaden und Zugspitze können 10 bis 20 Zentimeter Neuschnee bekommen.
- In Los Angeles gilt eine Extreme Heat Warning von Freitag 10 Uhr bis Donnerstag 20 Uhr – über sechs Tage und damit die längste Oktober-Hitzewarnung seit Beginn der Statistik 2005.
- Für Downtown LA sind heute 99 bis 103 Grad Fahrenheit angesagt, 15 bis 20 Grad über dem Üblichen – der Tagesrekord von 101 aus 1971 steht auf der Kippe.
- Taifun Choi-wan schiebt sich mit rund 50 Metern pro Sekunde an die Ogasawara-Inseln: Wellen bis 8 Meter, bis zu 100 Millimeter Regen in 24 Stunden.
Heute ist der letzte stille Tag
Wer die ZAPOLLO-Karte heute über Mitteleuropa aufzieht, sieht fast nichts passieren – und das hat einen Grund. Eine Hochdruckzone spannt sich vom Atlantik bis nach Osteuropa, die Luft darin ist ausgesprochen mild, Druckunterschiede gibt es kaum. Entsprechend dünn fiel der Warnlagebericht des DWD um 02:04 Uhr aus: gebietsweise Nebel im Osten, örtlich mit Sicht unter 150 Metern, mehr nicht. Hat sich der Grauschleier verzogen, wird der Montag freundlich mit 17 bis 24 Grad. Nur zwischen Schwäbischer Alb und Alpenrand ist ein Schauer oder ein kurzes Gewitter mit Böen und Starkregen dabei – und das mit ausdrücklich geringer Wahrscheinlichkeit.
Genießen sollte man das. Ab Mittwoch ist diese Ruhe Geschichte.
Wie ein Wirbel über Kanada Deutschland den Spätsommer abdreht
Der Auslöser sitzt weit weg. Über dem Osten Kanadas schiebt sich polare Luft nach Süden und gibt dem Polarwirbel zusätzliche Kraft. Dieser verstärkte Wirbel verlagert sich bis Mitte der Woche in Richtung Skandinavien – und damit steht die Tür für Herbstluft offen. Mittwoch sind noch 15 bis 20 Grad zu holen, am Donnerstag bleiben 8 bis 12 übrig. Eine Modellrechnung setzt diese Werte erst für Freitag und Samstag an, rechnet dafür aber mit einem Sturz von bis zu 15 Grad innerhalb von zwei Tagen.
Mitgeliefert werden dichte Wolkenfelder, zeitweiliger Regen und ein kräftiger Wind aus westlichen bis nordwestlichen Richtungen, der an den Küsten und auf exponierten Bergen zeitweise Sturmstärke erreicht. Am Wochenende fällt die Schneefallgrenze in den Alpen auf rund 1000 Meter, oberhalb von 700 bis 900 Metern sieht es dann winterlich aus. 10 bis 20 Zentimeter Neuschnee sind im Allgäu, in Berchtesgaden und an der Zugspitze möglich. Danach geht es weiter: Für den 10. bis 13. Oktober sieht das europäische Modell die nächste Schlüsselszene, zwischen 12. und 15. Oktober die ersten Herbststürme bei 12 bis 16 Grad. Ob der Regen dem ausgezehrten Rhein hilft, ist die spannendere Frage – ein paar Schauer reichen dafür nicht.
Kalifornien macht genau das Gegenteil
Rund 9.000 Kilometer westlich läuft das Wetter in die andere Richtung. Südkalifornien steckt in einer Extreme Heat Warning, die am Freitag um 10 Uhr startete und bis Donnerstag 20 Uhr laufen soll – betroffen sind die Countys Los Angeles, Ventura, Orange, San Bernardino und Riverside. Über sechs Tage ohne Unterbrechung: So lange hing über der Stadt im Oktober noch keine Hitzewarnung, seit 2005 Buch darüber geführt wird.
Für Downtown Los Angeles lautet die Prognose heute 99 bis 103 Grad Fahrenheit – 15 bis 20 Grad mehr als normal, der Rekord für dieses Datum steht bei 101 Grad aus 1971. Fast interessanter als die Mittagsspitzen sind die Nächte: Bis mindestens Dienstag kühlt es nur in den 70er-Bereich ab, von Montag bis Donnerstag liegen die Tiefstwerte um die mittleren 70er. Dreistellig wird es flächig im Inland Empire und in den Binnentälern, an der Küste bleibt es bei oberen 80ern bis unteren 90ern. Mit der Hitze wächst die Waldbrandgefahr.
Ein Taifun, ein Tornado-Nachspiel und ein Monsun-Rest
Im Westpazifik arbeitet sich Taifun Nummer 27, Choi-wan, nordwärts. Er wird als sehr stark eingestuft, nahe dem Zentrum liegen die Spitzen bei etwa 50 Metern pro Sekunde. Die stärkste Wirkung auf die Ogasawara-Inseln südlich von Tokio fällt auf heute und morgen, am nächsten kommt er zwischen Montagabend und dem frühen Dienstag. Die See baut sich auf: 6 Meter Wellenhöhe am Sonntag, 8 Meter am Montag und Dienstag. Vom späten Montagabend bis Dienstag sind bis zu 100 Millimeter in 24 Stunden möglich, bevor der Sturm vor Japans Ostküste nach Norden abdreht und am Donnerstag östlich der Kurilen in ein außertropisches Tief übergeht.
In den USA wird unterdessen eine historische Feuchtelage abgerechnet. Zwischen dem 28. September und dem 2. Oktober zog Restfeuchte des früheren Hurrikans Polo über Arizona, New Mexico und Texas bis nach Nebraska und setzte normalerweise staubtrockene Rinnen unter Wasser. Der Großraum Albuquerque sammelte über 2 Zoll in 24 Stunden, für Texas standen 2 bis 5 Zoll, örtlich bis 8 Zoll im Raum. Beobachter meldeten mehrere Tornados im Texas Panhandle und im Westen von Kansas. Im Nordwesten von Harris County bei Houston fielen über Nacht mehr als 7 Zoll.
Dazu meldet sich in Indien der Monsun zurück: Die IMD hat Küstenwarnungen für Westbengalen, Odisha und Assam ausgegeben, die Tiefseefischerei soll pausieren, Landwirte sollen Entwässerungsgräben öffnen. Und das kräftigste Beben des 4. Oktober lag mit M 5,9 im Indischen Ozean, 39 Kilometer südwestlich von Tambolaka in Indonesien.
Nebelruhe über Deutschland, 40 Grad in Kalifornien, acht Meter Welle vor Japan: Die Atmosphäre hat gerade sehr unterschiedliche Pläne.