8.9.2026· sinskimos@gmail.com

Stirbt der Sommer heute in einem 17-Grad-Absturz – während vor Japan ein Tropensturm rückwärts läuft und El Niño die Hurrikansaison abwürgt?

Noch einmal 28 Grad, dann macht die Kaltfront Schluss: Ab morgen sacken Deutschlands Höchstwerte Richtung 17 Grad, vorher warnt der DWD vor kräftigen Gewittern mit Starkregen und Sturmböen. Vor Japan dreht Tropensturm Krovanh derweil eine bizarre Schleife, und im Atlantik hält El Niño die Hurrikansa

Key Points

  • Der Montag brachte mit bis zu 33 Grad aller Voraussicht nach den letzten Hitzetag des Jahres 2026.
  • Heute sind noch einmal bis zu 28 Grad möglich, ehe die Werte ab Mittwoch auf rund 17 Grad durchsacken.
  • Der DWD rechnet am Nachmittag im Nordosten und abends im Südwesten mit kräftigen Gewittern, Starkregen um 20 l/qm und Sturmböen bis Stärke 9.
  • Südlich der Donau und am Alpenrand drohen unwetterartige Regenmengen mit Sturzflutgefahr.
  • Vor Japan vollführt Tropensturm Krovanh eine ungewöhnliche Schleife nahe der Ryukyu-Inseln – die Regenbänder trafen bereits Tokio und sechs weitere Präfekturen.
  • Im Atlantik zählt die Saison bisher nur drei benannte Stürme, weil El Niño die Scherung hochtreibt.

Deutschland: 28 Grad am Vormittag, Herbstjacke am Donnerstag

Es ist der Tag, an dem der Sommer 2026 seinen Abschiedsbrief schreibt. Über dem Atlantik, in der Nähe Islands, hat sich zum Wochenbeginn ein Sturmtief zusammengezogen und einen Hochdruckrücken über Mitteleuropa weit nach Norden gedrückt. Zwischen beiden Systemen strömt ungewöhnlich warme, feuchte und labil geschichtete Luft heran – jene Mischung, die gestern im Süden noch bis zu 33 Grad ermöglichte und die heute vielerorts bis 28 Grad reichen dürfte.

Doch der Preis für diese Wärme steht schon in den Warnkarten. In der Nacht hat eine erste Kaltfront den Nordwesten erreicht, und die Atmosphäre ist übervoll mit Energie. Der Deutsche Wetterdienst erwartet am Nachmittag zunächst im Nordosten einzelne kräftige Gewitter mit stürmischen Böen, am Abend und in der Nacht zum Mittwoch dann im Südwesten die zweite Runde: Starkregen um 20 Liter pro Quadratmeter, Sturmböen der Stärken 8 bis 9, örtlich unwetterartig. Schon gestern zogen von den süddeutschen Mittelgebirgen ostwärts Zellen mit rund 25 Litern pro Stunde und Hagel durch. Der Wind weht mäßig aus West bis Südwest, an der Nordsee frischt er stürmisch auf.

Richtig unangenehm könnte es südlich der Donau und am Alpenrand werden, wo sich erhebliche, teils unwetterartige Regensummen ansammeln – mit lokaler Überflutungs- und Sturzflutgefahr. Und dann geht es abwärts: Binnen eines einzigen Tages verlieren die Höchstwerte bis zu 17 Grad. Am Donnerstag stehen nur noch 16 bis 22 Grad bei wechselnder Bewölkung und Schauern auf dem Zettel. Ob der Spätsommer im Monatsverlauf noch einmal zurückschlägt oder ob sich Kaltluftvorstöße aus Norden durchsetzen, ist offen – die Modelle sind sich uneins, und bei sinkendem Sonnenstand rücken zum Monatsende sogar erste Nachtfröste in den Bereich des Möglichen.

Welt: Ein Sturm, der die Richtung wechselt, und eine Saison, die nicht in Gang kommt

Das wetterkundlich Kurioseste spielt sich gerade westlich von Japan ab. Tropensturm Nummer 24, Krovanh, kroch zunächst nordwärts am Westrand des Pazifikhochs entlang und geriet dann zwischen zwei Hochdruckblöcke – eines über dem Pazifik, eines über dem asiatischen Festland. Ohne klare Steuerung bremste das System scharf ab und beschrieb nahe den Nansei-Inseln eine ungewöhnliche Schleife nach Süden und Osten, bevor es sich heute zum Tropentief abschwächt.

Gefährlich ist dabei nicht der Sturmkern, sondern das, was er antreibt: Entlang seiner Ostflanke pumpt Krovanh warme Tropenluft in eine über Honshus Südküste festliegende Front. Das Ergebnis sind langlebige, linienförmige Regenbänder über Shikoku und Nordkyushu. Die japanische Wetterbehörde warnte am Sonntag Tokio und sechs weitere Präfekturen vor extremen Niederschlägen, tags darauf ging über der Kanto-Region entsprechend heftiger Regen nieder.

Im Atlantik herrscht dagegen auffällige Ruhe – ausgerechnet zum klimatologischen Saisonhöhepunkt. Die NOAA hält an ihrer unterdurchschnittlichen Prognose fest: 7 bis 13 benannte Stürme, 2 bis 6 Hurrikane, 0 bis 2 schwere, mit 75 Prozent Wahrscheinlichkeit für eine schwache Saison. Bislang sind erst drei Systeme entstanden: Arthur und Bertha erreichten die Golfküste, Cristobal blieb kurzlebig über offener See. Verantwortlich ist der seit Juni etablierte El Niño, der die Windscherung über dem Becken hochtreibt und tropischen Wirbeln buchstäblich den Kopf abschneidet.

In den USA zehrt derweil die Dürre weiter: Im Südwesten Idahos bleibt das Risiko für Großbrände überdurchschnittlich, weil lebende wie tote Brennstoffe kritisch trocken sind. Aktuell brennen dort unter anderem das Crooked Fire mit 8.604 Acres bei 21 Prozent Eindämmung, das Doublesprings Fire mit 1.778 Acres und das Dudley Fire mit 672 Acres. Und auf den Aleuten fördert der Great Sitkin unbeirrt weiter Lava in seinen Gipfelkrater – Warnstufe WATCH, Luftfahrt-Code Orange.

Unterm Strich: Deutschland tauscht heute Hochsommer gegen Blitz, Böen und Frühherbst. Der Rest der Welt zeigt gleichzeitig, wie unterschiedlich derselbe Planet ticken kann – rekordarm im Atlantik, chaotisch vor Japan, staubtrocken in Idaho.

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