28.9.2026· sinskimos@gmail.com

Steuert die Schweiz auf den zweittrockensten September ihrer Messgeschichte zu – während Spanien noch einmal 40 Grad liefert?

Drei Monate Regen fehlen, zwischen Stein am Rhein und Diessenhofen fahren wegen Niedrigwasser keine Schiffe mehr – und MeteoSchweiz sortiert diesen September bereits unter die zehn trockensten seit Messbeginn ein. Zur selben Zeit presst eine Hitzeglocke Spanien und Portugal auf 40 Grad und beschert

Key Points

  • MeteoSchweiz rechnet damit, dass dieser September unter die zehn trockensten seit Messbeginn rutscht – im Mittelland möglicherweise sogar auf Platz zwei.
  • Es fehlt der Regen von rund drei Monaten; zum Ausgleich bräuchte es drei Monate mit der doppelten Niederschlagsmenge.
  • Auf dem Rhein zwischen Stein am Rhein und Diessenhofen ruht der Schiffsverkehr wegen zu tiefer Pegel; in Basel lagen die Abflüsse 2026 abgesehen vom Februar durchweg unter dem langjährigen Mittel.
  • Über der Iberischen Halbinsel bleibt die Hitzeglocke liegen: bis 40 Grad in Spanien und Portugal, 36 in Südfrankreich, um 30 am Basler Rheinknie – 10 bis 14 Grad über dem Saisonschnitt.
  • Deutschland startet mit 22 bis 31 Grad in die Woche, die DWD-Warnkarte bleibt leer, lediglich an der Nordsee fällt der eine oder andere Tropfen.
  • Ab Donnerstag dreht die Lage: Schauer und Gewitter ziehen von Westen auf, eine schwere Gewitterlage zum Wochenende will der DWD nicht ausschließen.

Ein Hochsommer, der sich nicht abmelden will

Kalendarisch ist der Herbst seit fünf Tagen im Amt. Auf dem Thermometer merkt man davon nichts. Zwischen einem kräftigen Hoch über Ost- und Mitteleuropa und einem Tief über dem Nordatlantik läuft ein Förderband aus Nordafrika und dem Mittelmeerraum nach Norden – und dieses Band liegt seit Tagen stabil auf Kurs. Das Bemerkenswerte an diesem Montag ist deshalb nicht die einzelne Temperatur, sondern wie lange die Lage nun schon nichts anderes zulässt.

Deutschland: 31 Grad und null Warnungen

Der Süden und Südosten dürfen sich über einen weitgehend blanken Himmel freuen, der bayerische Frühnebel löst sich im Laufe des Vormittags auf. Nach Nordwesten hin stapeln sich mehr Wolken, an der Nordsee sind ein paar Tropfen möglich – trocken bleibt es fast überall trotzdem. Die Spanne der Höchstwerte reicht von 22 Grad an den Küsten bis 31 Grad in den bevorzugten Lagen. Nachts wird der Gegensatz deutlich: 3 bis 8 Grad im Osten und Südosten, 10 bis 17 Grad im übrigen Land. Dienstag und Mittwoch halten die 30-Grad-Marke in Reichweite.

Einordnen lässt sich das auch im Jahresmaßstab: Klimatologe Karsten Brandt hält 2026 für einen Kandidaten auf das wärmste Jahr der deutschen Messgeschichte – der bisherige Bestwert liegt bei 10,9 Grad im Mittel des Jahres 2024. Und die Sonne arbeitet ebenfalls auf Rekordkurs: Mehr als 2.000 Stunden gelten als erreichbar, gegenüber 1.665 Stunden im Mittel 1991 bis 2020 und dem Rekord von 2.025 Stunden aus dem Jahr 2022.

Der Alpenraum trocknet aus – das ist die eigentliche Geschichte

Wer nur auf Grad-Zahlen schaut, verpasst das Wesentliche. Südlich von uns steht das Wasser im Mittelpunkt, genauer: sein Fehlen. Frühling und erste Sommerhälfte 2026 zählen in der Schweiz zu den trockensten je gemessenen Abschnitten, und der September legt nach. Bäche führen kaum mehr Wasser, Seen schrumpfen, Quellen fallen trocken, und die Waldbrandgefahr steht praktisch landesweit auf der zweithöchsten Stufe. Fachleute stellen 2026 inzwischen neben 1947, 1976, 2003 und 2018 – die Referenzjahre der Dürre.

Am sichtbarsten wird es am Rhein. Zwischen Stein am Rhein und Diessenhofen war der Pegel so tief, dass die Schifffahrt eingestellt wurde. Und ein Defizit von drei Monatsniederschlägen verschwindet nicht mit einem Gewitter: Nötig wären drei Monate mit doppelter Regenmenge, damit die Bilanz wieder stimmt.

Iberien: 40 Grad im letzten Septemberdrittel

Weiter südwestlich ist die Hitze noch handfester. Über Zentral- und Südspanien sowie Portugal klettern die Werte über 35 Grad, örtlich an die 40 – in einem Land, das dieses Jahr schon vier Hitzewellen seit Juni hinter sich hat. Der Septemberrekord fiel bereits am 3. September: 45,7 Grad in El Granado im Süden Andalusiens, exakt der Wert, den Montoro 2016 aufgestellt hatte. Damals gab AEMET zum ersten Mal seit Einführung der Skala 2007 eine rote Hitzewarnung in einem September heraus. Ende September sieht es nach mehr vom Gleichen aus, die Hitzeglocke dürfte bis in die erste Oktoberwoche halten.

Und der Rest der Welt?

Auf Hawaii bleibt der Kīlauea gespannt: Seit der Nacht des 22. September laufen wieder kleine Lavamengen über den Rand des Nordschlots, dazu kommen winzige Überläufe am Südschlot, alle Schlote glühen kräftig. Die Warnstufe steht auf WATCH, die Luftfahrtfarbe auf ORANGE – Episode 55 der Fontänenserie kann jederzeit losgehen. Im Westpazifik sieht PAGASA für die Woche vom 28. September bis 4. Oktober mit hoher Wahrscheinlichkeit die Bildung eines tropischen Wirbelsturms, der Richtung Südostchina und Nordvietnam zieht. Und in der Tasmansee wurde am 26. September ein Erdbeben der Magnitude 6,6 registriert – weit genug draußen, um ohne Schaden zu bleiben.

Was der Donnerstag ändert

Dann wird es interessant. Von Westen schieben sich Regen und einzelne Gewitter heran, während der Osten zunächst noch trocken bleibt. Zum Ende der Woche hält der DWD sogar eine schwere Gewitterlage für möglich – der erste Termin seit Wochen, an dem die Karte wieder Farbe bekommen könnte. Danach folgt der Absturz in normale Herbstwerte: Am Tag der Deutschen Einheit und am Sonntag darauf sind nur noch 17 bis 23 Grad vorgesehen, im Westen mit vereinzelten Schauern. Für die ausgedörrten Böden in der Schweiz und auf der Iberischen Halbinsel wäre das ein Anfang – mehr aber auch nicht.

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