
Steuert ausgerechnet zur ersten Silver Week seit elf Jahren ein Sturm auf Tokio zu – während Deutschland heute nur noch 18 bis 24 Grad schafft?
Tropensturm Dujuan nimmt Kurs auf Ostjapan – ausgerechnet zur Silver Week, den ersten fünf zusammenhängenden Feiertagen seit elf Jahren, und auf Böden, die nach zwei Wochen Rekordregen keinen Tropfen mehr aufnehmen. Deutschland kommt nach der Kaltfront mit 18 bis 24 Grad und Sturmböen an der Nordsee
Key Points
- Deutschland darf durchatmen: Die Kaltfront ist weitergezogen, der Nachmittag wird freundlicher, die Höchstwerte liegen zwischen 18 und 24 Grad.
- Restfeuchte hält sich nur noch früh im Südosten Bayerns und an den Küsten; im Nordwesten schiebt sich im Tagesverlauf leichter Regen heran.
- An der Nordsee frischt der Südwestwind auf Sturmböen um 65 km/h (Bft 8) auf, an Mecklenburg-Vorpommerns Küste sind 50 bis 80 km/h drin.
- Bei den Marianen ist am 16. September Tropensturm Dujuan entstanden – 95 km/h Dauerwind, Spitzen bis 130 km/h, ein Windfeld von 500 bis 800 Kilometern Radius.
- Am Montag soll sein Kern rund 100 Kilometer vor der Bōsō-Halbinsel liegen, keine 180 Kilometer von der Tokioter Innenstadt entfernt.
- Der Boden dort ist längst voll: Ōshima verzeichnete am 7. September 581,5 Millimeter in 24 Stunden – Septemberrekord der Station.
Deutschland: Aufatmen nach der Front
Was gestern noch mit Hagelkörnern und 100-km/h-Böen durchs Land fegte, ist heute Geschichte. Die Kaltfront hat Deutschland nach Südosten verlassen und hinterlässt einen Tag, der morgens grau startet und nachmittags aufhellt. Letzte Schauer tröpfeln früh über Südostbayern und die Küstenstreifen ab, sonst bleibt es überwiegend trocken – bis im Laufe des Tages im Nordwesten leichter Regen einsickert.
Temperaturseitig bleibt es beim gedämpften Niveau: 18 bis 24 Grad, mehr gibt diese Luftmasse nicht her. Spannend ist der Wind. Im Binnenland weht er schwach bis mäßig, an den Küsten dagegen frisch bis stark aus Südwest, und an der Nordsee reicht es für stürmische Böen um 65 km/h. An der Ostsee kommen zwischen 50 und 80 km/h aus West bis Nordwest zusammen – der DWD warnt vor herabfallenden Ästen und umherfliegenden Gegenständen. In der Nacht zum Freitag sackt das Thermometer von Nord nach Süd auf 12 bis 6 Grad.
Das Wochenende teilt die Republik dann sauber in zwei Hälften: nördlich stark bewölkt mit zeitweiligem Regen, südlich überwiegend trocken und phasenweise sonnig. 17 bis 22 Grad, am Samstag im Südwesten lokal bis 25. An Nord- und Ostsee sowie im höheren Bergland sind an beiden Tagen stürmische Böen (Bft 8), vereinzelt Sturmböen (Bft 9) im Spiel.
Japan: Ein Sturm mit dem denkbar schlechtesten Timing
Und dann Ostasien. Dujuan – in Japan schlicht Taifun Nr. 25 – hat sich am 16. September bei den Marianen formiert und zieht nun über ungewöhnlich warmes Wasser. Die Japan Meteorological Agency kalkuliert für Freitagnacht bereits mit 980 hPa und Böen um 40 m/s, wenn das System die Ogasawara-Inseln erreicht. Erwartet wird ein großflächiger schwerer Tropensturm, dessen 30-Knoten-Windfeld 500 bis 800 Kilometer misst – Fläche schlägt hier Intensität.
Der Fahrplan: Freitag Kurs auf Ogasawara, Samstagfrüh dort, Sonntag hinauf zu den Izu-Inseln, Montag vor der Bōsō-Halbinsel. Damit liegt die gesamte Kantō-Region im Einflussbereich. Pikant ist das Datum. Vom 19. bis 23. September fällt in Japan die Silver Week – fünf zusammenhängende Feiertage, die es zuletzt 2015 gab, also seit elf Jahren nicht mehr. Es ist eine der reisestärksten Phasen des Jahres, und genau darauf läuft Dujuan zu.
Richtig unangenehm macht die Sache die Vorgeschichte. Der Osten Japans hat zwei Wochen Rekordniederschlag hinter sich. Am 7. September löste die JMA für Niijima, Ōshima und Toshima Notfallwarnungen der höchsten Stufe 5 aus: 485 Millimeter auf Niijima, 581,5 Millimeter an der Hauptstation von Ōshima – so viel wie in keinem September zuvor. Wo der Untergrund derart durchnässt ist, genügt ein Bruchteil der üblichen Menge, um Hänge in Bewegung zu bringen und Flüsse über die Ufer treten zu lassen.
Und der Atlantik? Schweigt weiter
Zum Kontrast ein Blick nach Westen: Die atlantische Saison hat es 2026 bis heute auf zwei benannte Stürme gebracht, Arthur und Bertha – Hurrikane: null. Die NOAA veranschlagt inzwischen 7 bis 13 benannte Systeme, davon 2 bis 6 Hurrikane, und beziffert die Wahrscheinlichkeit einer unternormalen Saison auf 75 Prozent. Hauptverdächtiger ist der aufziehende El Niño mit seiner Scherung. Zwei Ozeane, zwei völlig gegensätzliche Geschichten.