
Steuert auf Hawaii der stärkste Hurrikan seit den 1950er-Jahren zu – während Deutschland den September mit 29 Grad am Oberrhein ausklingen lässt?
892 Millibar, 285 km/h, von der Tropensturmgrenze in 33 Stunden auf Kategorie 5: Polo ist der wuchtigste Wirbelsturm, den der Planet 2026 gesehen hat – und südlich von Hawaii wächst mit Nolo schon der nächste heran. Bei uns dagegen schiebt sich ein Hoch heran und beschert dem Oberrhein zum Wochenend
Key Points
- Vor Mexikos Pazifikküste dreht mit Polo der weltweit heftigste Wirbelsturm des Jahres 2026: 892 Millibar Kerndruck, in der Spitze 285 km/h.
- Von der Tropensturmgrenze bis Kategorie 5 brauchte Polo ganze 33 Stunden – so schnell ging das im Ostpazifik noch nie.
- Hawaii bekommt es ab Donnerstag mit Nolo zu tun: 15 bis 20 Zoll Regen für Big Island sind prognostiziert, punktuell bis zu 35.
- An der US-Ostküste formiert sich zum Wochenende ein Nor'easter mit 6 bis 15 Fuß hohen Wellen zwischen Outer Banks und New Jersey.
- In Deutschland flaut der Nordwestwind am Donnerstag ab: 15 bis 20 Grad, westlich der Linie Bremen–München reichlich Sonne.
- Zum Wochenende drückt ein Hoch die Werte wieder nach oben – am Oberrhein sind örtlich rund 29 Grad drin.
Deutschland: ein Randtief macht den Abgang
Wer heute früh aus dem Haus geht, spürt vor allem Wind. Ein Randtief, das gestern über Deutschland hinwegzog, verabschiedet sich am Donnerstagnachmittag nach Südosten – und nimmt auf dem Weg dorthin noch einmal Schwung mit. An der Nordseeküste und auf exponierten Kammlagen frischt es aus Nordwest zu Sturmböen auf, Windstärke 8, in den ausgesetztesten Lagen 9; an der Ostsee ist das mit geringerer Wahrscheinlichkeit ebenfalls möglich. Im Tagesverlauf lässt der Druck spürbar nach.
Danach beruhigt sich die Sache rasch. Hinter dem abziehenden Regengebiet reißt die Wolkendecke auf, und westlich einer gedachten Linie Bremen–München zeigt sich der Himmel verbreitet freundlich. Die Temperaturen geben auf 15 bis 20 Grad nach – herbstlich, aber nicht unangenehm. Und es bleibt nicht dabei: Zum Wochenende schiebt sich ein Hochdruckgebiet über Mitteleuropa. Am Samstag pendeln die Höchstwerte im Norden zwischen 16 und 20 Grad, sonst meist zwischen 20 und 25, im Südwesten werden 25 bis 28 erreicht, am Oberrhein örtlich um 29. Am Sonntag darf es dort noch eine Spur wärmer werden. Nebel am Morgen, Sonne am Nachmittag – so lässt sich ein September beenden.
Ostpazifik: 33 Stunden bis zur Kategorie 5
Rund 9.000 Kilometer westlich davon läuft gerade ein meteorologisches Ausnahmeereignis. Am frühen Montag war Polo noch ein unscheinbarer Tropensturm, am Dienstag maß ein NOAA-Aufklärungsflugzeug Windgeschwindigkeiten von 285 km/h und einen Kerndruck von 892 Millibar. Niedriger war der Druck im östlichen Pazifik nur ein einziges Mal – bei Patricia im Jahr 2015 mit 872 Millibar. Die Steigerung um 110 Meilen pro Stunde binnen 24 Stunden zählt zu den fünf rasantesten Verstärkungen, die NOAA seit Beginn der Satellitenaufzeichnungen dokumentiert hat.
Der Treibstoff dafür liegt unter der Oberfläche: über 30 Grad warmes Wasser bis in rund 60 Meter Tiefe, dazu kaum Scherung. Dass ausgerechnet der Pazifik so liefert, während der Atlantik in dieser Saison keinen einzigen Hurrikan zustande gebracht hat, ist kein Zufall, sondern dieselbe Ursache aus zwei Blickwinkeln. Polo ist bereits der siebte Kategorie-5-Sturm dieses Jahres – der Durchschnitt der Jahre 1990 bis 2025 liegt bei 5,3. Am Mittwochvormittag hatte sich das System auf 150 Meilen pro Stunde abgeschwächt, es zieht parallel zur mexikanischen Küste und nähert sich am Samstag oder Sonntag der Südspitze der Baja California. Für die Küstenregionen sind 2 bis 4 Zoll Regen angesetzt, örtlich bis 8, in Guerrero 4 bis 6 – in steilem Gelände reicht das für Erdrutsche.
Hawaii, Nor'easter und ein Vollmond zur Unzeit
Deutlich ernster ist die Lage für Hawaii. Aus dem Tief Fifteen-E ist Tropensturm Nolo geworden, am Mittwochvormittag noch rund 310 Meilen südlich von South Point, mit 40 Meilen pro Stunde und langsamer Nordwestdrift. Bis Donnerstag soll daraus ein Hurrikan werden, übers Wochenende womöglich ein schwerer – und damit das kräftigste System, das seit Ende der 1950er-Jahre so dicht an Big Island heranzieht. Für Hawaii County gilt eine Hurrikan-Vorwarnung, für Hawaii und Maui County eine Hochwasserwarnung bis Samstagabend. Die Prognose nennt 15 bis 20 Zoll Regen, Spitzen bis 35, dazu 1 bis 3 Fuß Sturmflut. Getroffen würden Gebiete, die Hurrikan Lala im August ohnehin schon zugerichtet hat.
Und an der US-Ostküste? Dort braucht es gar keine Tropen. Ein Nor'easter verstärkt sich bis zum Wochenende vor Neuengland; Küstenhochwasser-Warnungen laufen von Virginia bis New Jersey, wo das Wasser ein bis drei Fuß über Geländeniveau steigen kann. Zwischen den Outer Banks und der Küste New Jerseys türmen sich 6 bis 15 Fuß hohe Wellen, Boston drohen Böen von 60 bis 70 Meilen pro Stunde, Cape Cod und Teile Maines mindestens fünf Zoll Regen bis Montag. Pech im Detail: Das Ganze fällt mit dem Vollmond zusammen, der die Tiden zusätzlich anhebt. Von North Carolina bis ins südliche Maine dürfte kaum ein Strand unverändert aus dem Wochenende kommen.