23.9.2026· sinskimos@gmail.com

Steht auf den Philippinen die erste Magma-Eruption seit 1902 bevor – während Deutschland in einen 25-Grad-Altweibersommer kippt?

9.985 Tonnen Schwefeldioxid an einem Tag: So viel Gas hat der Kanlaon auf Negros seit 2009 nicht mehr freigesetzt – PHIVOLCS schließt daraus auf aufsteigendes Magma und hält erstmals seit 1902 eine echte Eruption für denkbar. Bei uns merkt man davon nichts, hier legt sich ein Blockadehoch quer und l

Key Points

  • Ein Blockadehoch kippt vom Atlantik nach Mitteleuropa herüber und steuert ab der Wochenmitte das Wetter in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
  • Am Dienstagmittag stand die Warnkarte des DWD auf null – erst der Mittwochabend bringt im Nordwesten Bewegung hinein.
  • Dann sind dort gewittrige Güsse von etwa 20 Litern je Quadratmeter in einer Stunde drin, nachts legen die Böen an der Nordsee auf 65 bis 80 km/h zu.
  • Der Süden holt zum Wochenende noch einmal 25 Grad heraus, während der Norden bereits im Herbstmodus läuft.
  • Der Kanlaon auf den Philippinen setzte am 10. September 9.985 Tonnen Schwefeldioxid frei – Höchstwert seit 2009; in Negros Occidental sind über 1.000 Menschen vorsorglich evakuiert.
  • An der US-Ostküste zieht sich die Überflutungslage wegen eines blockierten Höhentiefs bis mindestens Donnerstagabend; Ohio meldete 2,5 bis 3,5 Zoll Regen.

Deutschland: wenn ein Hoch die Tür zumacht

Ein Blick in die Wetter-App liefert diese Woche vor allem eines: Stillstand. Jenes Hoch, das bisher über dem Atlantik saß und den westlichen Nachschub ausbremste, verlagert seinen Schwerpunkt zur Wochenmitte Richtung Mitteleuropa – und gibt damit den Takt für Deutschland, Österreich und die Schweiz vor. Übersetzt in den Alltag: frühmorgens Nebel, der sich verzieht, anschließend überwiegend Sonne, Regen praktisch Fehlanzeige. Lediglich im Norden und Nordwesten fällt zwischendurch mal etwas. Abseits der Küsten pendeln sich die Höchstwerte auf 20 bis 25 Grad ein, im Südwesten reicht die Spanne sogar von 25 bis 30 Grad – für die letzte Septemberwoche ein erstaunlicher Wert.

Bemerkenswert für die Jahreszeit ist auch, dass der DWD am Dienstagmittag überhaupt keine aktive Warnung führte. Ewig hält diese Ruhe aber nicht: Von Nordwesten her schickt ein Tief am Mittwochabend gewittrig durchsetzte Regenfälle in die Nordwesthälfte, punktuell mit rund 20 Litern pro Quadratmeter innerhalb einer Stunde. Die Nacht zum Donnerstag bringt über der kompletten Nordhälfte vereinzelte kurze Gewitter, an der Nordsee legen die Böen auf 65 bis 80 km/h zu. Anschließend übernimmt wieder die freundliche Variante: Das Wochenende bringt dem Süden erneut um die 25 Grad, und auch über den Monatswechsel hinweg bleiben 20 bis 25 Grad realistisch. Altweibersommer, wie er im Buche steht – zumindest unterhalb der Mainlinie.

Negros: ein Berg, der seit 124 Jahren stillhält

Rund 10.000 Kilometer weiter östlich sieht die Sache völlig anders aus. Sieben Ausbrüche hat der Kanlaon auf der philippinischen Insel Negros in diesem Jahr schon hinter sich – und die Messreihen sprechen dafür, dass das eigentliche Ereignis noch bevorsteht. Vom 10. bis 16. September zählte PHIVOLCS täglich null bis neun vulkanische Beben und Schwefeldioxid-Ausstöße von 1.085 bis 4.074 Tonnen pro Tag; zwischen dem 10. und 14. September allein stiegen sechs Aschefahnen auf, jede von ihnen 38 bis 88 Minuten lang.

Aus der Reihe fiel der 10. September: 9.985 Tonnen Schwefeldioxid binnen eines Tages, der höchste Wert seit 2009. Gas in dieser Größenordnung stammt nicht aus erkaltetem Gestein, sondern aus Magma, das nach oben drängt. Genau darauf stützt sich die Einschätzung der Behörde, dass eine magmatische Eruption möglich ist – die erste seit 1902. Die Alarmstufe liegt bei 2 von 5, die Vier-Kilometer-Sperrzone bleibt bestehen, und mehr als 1.000 Bewohner von Negros Occidental haben ihre Häuser vorsorglich verlassen. Die wirtschaftliche Seite zeigt sich schon jetzt: über eine Milliarde Pesos Schaden in der bedeutendsten Zuckerrohrregion des Landes.

Asche, Wasser und ein Ozean im Leerlauf

Wie sehr ein Vulkan ein ganzes Land lahmlegen kann, hat Indonesien kürzlich vorgeführt. Am Abend des 5. September brach der Anak Krakatau aus und hörte über 24 Stunden lang nicht damit auf. Asche schoss in große Höhen, Tausende Flüge gerieten durcheinander, und die Luft über Jakarta sowie Teilen Westjavas wurde messbar schlechter. Soekarno-Hatta und Halim blieben bis 9:30 Uhr dicht, Lampung bis 10:00 Uhr. Die explosive Phase klang am 6. September ab – grummeln tut der Berg trotzdem weiter.

In den Vereinigten Staaten ist es dagegen das Wasser, das die Nachrichten bestimmt. Über dem Mid-Atlantic und dem Nordosten hängt ein Höhentief fest, darunter wandert ein Küstentief ohne klare Richtung umher und schiebt seit Tagen auflandigen Wind gegen die Küste. Das Resultat: überflutete Straßen in Küsten- und Buchtlagen, gefährliche Brandung, Erosion an den Stränden – und ein Ende ist frühestens am Donnerstagabend in Sicht. Ohio verzeichnete 2,5 bis 3,5 Zoll Regen, der Wetterdienst in Charleston (West Virginia) gab Hochwasserwarnungen aus.

Bleibt der Atlantik, das große Nichts dieses Jahres. Tropensturm Fay schrumpfte am 22. September auf ein Resttief mit 35 Meilen pro Stunde zusammen; ein Hurrikan war in dieser Saison bis heute nicht darunter. Die NOAA-Bilanz sieht bis November 7 bis 13 benannte Stürme vor, davon 2 bis 6 Hurrikane und 0 bis 2 schwere. Gebremst wird alles von einem El Niño, der sich im Juni im äquatorialen Pazifik eingestellt hat und mit seiner Windscherung jeden Ansatz auseinanderreißt.

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