
Rauben uns ab heute die Tropennächte den Schlaf – und werden 20 Grad in der Dunkelheit gefährlicher als die 36 Grad am Tag?
Heute greift die Hitze mit bis zu 36 Grad auf weite Teile Deutschlands über – doch der gefährlichste Teil beginnt nach Sonnenuntergang: Tropennächte über 20 Grad nehmen dem Körper die Erholung und gelten als tödlicher als die Mittagshitze. Derweil glüht Spanien Richtung 40 Grad, und in Indiens Assam
Key Points
- Bis 36 Grad heute: Die Hitzewelle greift auf weite Teile Deutschlands über – im Südwesten werden bis zu 36 Grad erreicht, im Nordosten bleibt es bei rund 26 Grad.
- Amtliche DWD-Hitzewarnung: Gewarnt wird von 11 bis 19 Uhr in Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Baden-Württemberg, zusätzlich liegen Teile von NRW, Hessen und Bayern im Hitzegebiet.
- Die Nacht wird zum Risiko: Bis Samstag sacken die Tiefstwerte kaum noch unter 20 Grad – solche Tropennächte rauben dem Körper die Erholung und gelten als gefährlicher als die Mittagsspitze.
- Gewitter zur Nacht: Zum Freitag ziehen im Westen und Nordwesten einzelne kräftige Gewitter auf, mit Starkregen von 15 bis 25 l/m², kleinem Hagel und Sturmböen um 70 km/h.
- Europa bei 40 Grad: Spanien und Frankreich steuern auf bis zu 40 Grad zu; die AEMET warnt für Sevilla, Saragossa und Córdoba, rund um Bordeaux sind etwa 39 Grad angesagt.
- Indiens Monsun tötet: In Assam starben über 50 Menschen, rund 360.000 sind auf der Flucht, der Brahmaputra hat zwölf Distrikte überflutet.
Deutschland: Tagsüber 36 Grad – doch die eigentliche Gefahr lauert nachts
Heute macht die Hitze Nägel mit Köpfen. Aus Südwesten flutet heiße Luft das Land, und während der Nordosten mit etwa 26 Grad noch glimpflich davonkommt, klettert das Thermometer im Südwesten auf bis zu 36 Grad. Der Deutsche Wetterdienst hat seine amtliche Hitzewarnung für die Zeit von 11 bis 19 Uhr scharf geschaltet – im Brennpunkt stehen Rheinland-Pfalz, das Saarland und Baden-Württemberg, hinzu kommen Teile von Nordrhein-Westfalen, Hessen und Bayern.
Der härtere Stresstest beginnt allerdings erst, wenn die Sonne verschwunden ist. Bis Samstag heizt sich die Luftmasse weiter auf 30 bis 38 Grad auf, und die Nächte kühlen kaum noch unter die 20-Grad-Marke ab. Genau hier sitzt der unterschätzte Knackpunkt: In einer Tropennacht – wenn der Tiefstwert dauerhaft über 20 Grad bleibt – fehlt dem Organismus das Erholungsfenster, und das Herz-Kreislauf-System läuft rund um die Uhr im Kühlmodus. Fachleute betonen, dass die Übersterblichkeit bei Hitzewellen weit stärker mit mehreren heißen Nächten in Folge zusammenhängt als mit einem einzelnen Glut-Nachmittag. In den Städten verschärft der Wärmeinsel-Effekt die Lage zusätzlich: Asphalt und Beton geben die gespeicherte Tageshitze erst spät und zäh wieder ab.
Ganz ohne Bewegung bleibt der Übergang aber nicht. Zur Nacht auf Freitag schieben sich im Westen und Nordwesten einzelne, teils kräftige Gewitter heran – mit Starkregen von 15 bis 25 Litern pro Quadratmeter, kleinem Hagel und Sturmböen um 70 km/h. Am Freitagabend drohen rund um Alpen und Mittelgebirge sogar lokale Unwetter mit Böen bis 100 km/h.
Welt: Spaniens Glut, Indiens Fluten
Während Deutschland in die Schwüle kippt, steht Südeuropa längst in Flammen der Hitze. Spanien, Frankreich, Portugal und Italien steuern auf bis zu 40 Grad zu; die spanische Wetterbehörde AEMET hat für Sevilla, Saragossa und Córdoba gewarnt, wo die Werte zu Wochenbeginn an die 40-Grad-Schwelle klopfen. Im Südwesten Frankreichs und rund um Bordeaux sind etwa 39 Grad angekündigt – und auch dort setzen die Tropennächte den Menschen zu, denn im Mittelmeerraum bleibt es nach Sonnenuntergang oft drückend warm.
Ganz anders das Bild in Indien: Dort zeigt der Monsun seine zerstörerische Seite. Im Bundesstaat Assam haben Überschwemmungen und Erdrutsche mehr als 50 Menschenleben gefordert, rund 360.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Der Brahmaputra und seine Nebenflüsse traten über die Ufer, für zwölf Distrikte galt Rotalarm, über 40.000 Hektar Ackerland stehen unter Wasser. Es ist dieselbe überhitzte Atmosphäre, die hier als Sturzregen und dort als Hitzewelle zuschlägt – zwei Gesichter ein und desselben Extremsommers. Wo gerade die nächsten Gewitterzellen und Blitze über den Globus ziehen, lässt sich in Echtzeit auf der ZAPOLLO-Weltkarte mitverfolgen.