
Lässt sich Vulkanasche wirklich vom Himmel regnen – während bei uns die letzten ruhigen Stunden vor dem Gewitter-Mittwoch laufen?
In Indonesien schicken Behörden Flugzeuge in die Wolken, damit Regen die Asche des Anak Krakatau aus der Luft holt – der Vulkan steht seit dem 25-Stunden-Ausbruch weiter auf Alarmstufe III. Deutschland dagegen bekommt heute unter einem Hochdruckrücken 22 bis 26 Grad geschenkt, bevor am Mittwoch die
Key Points
- Ein Hochdruckrücken deckelt heute das Wetter über Deutschland: 22 bis 26 Grad, an der Küste um 20 Grad, dazu schwacher bis mäßiger Wind aus Südwest bis West.
- Regen fällt allenfalls im Norden zeitweise, im Süden setzt sich häufig die Sonne durch – markante Wettererscheinungen erwartet der DWD heute keine.
- Schon am Mittwoch kippt die Lage: In der Südosthälfte sind Gewitter mit rund 20 Litern pro Quadratmeter in einer Stunde und stürmischen Böen wahrscheinlich, lokal auch Unwetter.
- Indonesien lässt gerade Regen produzieren, um die Asche des Anak Krakatau aus der Luft zu waschen – Cloud Seeding über Jakarta, Banten und Lampung.
- Der Dauerausbruch vom 4. bis 6. September hielt rund 25 Stunden an und schoss Asche bis in 15 Kilometer Höhe; der Vulkan steht weiter auf Alarmstufe III von vier.
- Bilanz der Aschewolke: acht geschlossene Flughäfen, fast 3.000 gestörte Flüge und je nach Zählung 270.000 bis 340.000 betroffene Reisende.
Deutschland: Ein Montag zum Durchatmen – mit Ablaufdatum
Manchmal ist die interessanteste Wetterlage die, in der nichts passiert. Genau so einen Tag hat Deutschland heute erwischt: Ein Hochdruckrücken hat sich über Mitteleuropa gelegt und drückt die Atlantiktiefs auf Abstand. Die Folge ist ein Wetter, das man kaum kommentieren muss – wechselnde Bewölkung mit längeren Auflockerungen, im Süden über weite Strecken Sonne, und höchstens im Norden fallen ein paar Tropfen. Der Wind kommt schwach bis mäßig aus Südwest bis West und lässt nach Süden hin weiter nach.
Die Temperaturen landen bei 22 bis 26 Grad, an den Küsten bleibt es mit rund 20 Grad etwas frischer. Im Südwesten hat der Rücken zuletzt sogar Warmluft bis an die 30-Grad-Marke herangeschoben. Für die Blitzkarte heißt das: heute wird es hierzulande ziemlich leer aussehen.
Wer die Ruhe genießt, sollte sie allerdings nicht einplanen. Zwischen Island und Skandinavien wartet bereits ein Tief, das den Rücken nach Westen auf den Atlantik hinausdrängt. Ab Mittwoch rechnet der Deutsche Wetterdienst in der Südosthälfte mit einzelnen Gewittern, die es in sich haben können: lokaler Starkregen um 20 Liter pro Quadratmeter binnen einer Stunde, dazu stürmische Böen – Unwetter durch heftigen Starkregen sind nicht ausgeschlossen. Aus 26 Grad Hochdruckruhe wird also innerhalb von 48 Stunden wieder ein Fall für die Warn-App.
Indonesien: Wenn Regen zum Reinigungsgerät wird
Und dann gibt es Orte, an denen man auf das Wetter nicht mehr wartet, sondern es herstellt. In Indonesien läuft seit Tagen eine Operation, die klingt wie Science-Fiction und trotzdem Alltag ist: Die Katastrophenschutzbehörde BNPB lässt Wolken impfen, damit Regen die Vulkanasche des Anak Krakatau aus der Atmosphäre holt.
Vorausgegangen war ein Ausbruch, der selbst für die Sunda-Straße außergewöhnlich war. Am 4. September begann der Vulkan zu speien, erst in den frühen Morgenstunden des 6. September endete die zusammenhängende Eruption – rund 25 Stunden Lavafontänen, Detonationsgeräusche und eine Aschesäule, die auf der Sumatra-Seite bis auf etwa 50.000 Fuß, also gut 15 Kilometer, hinaufreichte. Trockene, windige Luft trug die schwefel- und silikathaltigen Partikel anschließend über Greater Jakarta, Banten und Lampung. Acht Flughäfen mussten schließen, knapp 3.000 Flüge wurden gestört, Hunderttausende Reisende saßen fest.
Die Gegenmaßnahme ist bewusst zweigleisig angelegt. Sind Wolken vorhanden, werden sie zum Abregnen gebracht – fällt genug Niederschlag, spült er die Asche schlicht herunter. Fehlen die Wolken, etwa über Jakarta, kommt Wassernebel zum Einsatz, der die Partikel bindet, statt sie weiterziehen zu lassen. Gesteuert wird das Ganze von einem Kommandoposten am Flughafen Pondok Cabe, in enger Abstimmung mit dem Wetterdienst BMKG und den Katastrophenschutzbehörden der Provinzen.
Entwarnung gibt es trotzdem nicht: Der Anak Krakatau ist inzwischen zwar in sein typisches strombolianisches Muster zurückgekehrt, bei dem er sein Material in Schüben auswirft – die Aktivität bleibt aber hoch, und Alarmstufe III, die zweithöchste der vierstufigen indonesischen Skala, gilt unverändert.
Der Blick über den Zaun
Im Pazifik hat die Saison derweil geliefert, was der Atlantik dieses Jahr schuldig bleibt: Hurrikan *Lowell* erreichte im August zweimal Kategorie 5 – das gab es zuletzt 2006 bei Ioke. Der ACE-Index der ostpazifischen Saison stand am 13. September bei rund 178,9 Einheiten. Auf der anderen Seite Mittelamerikas blieb es dagegen zäh; dort schaffte es im September vor allem Tropensturm *Edouard*, der nahe der Grenze zwischen Texas und Louisiana an Land ging.
Eingebettet ist all das in einen Sommer, der weltweit rund 900 Millionen Menschen mit Extremwetter konfrontiert hat – von Überschwemmungen in China über Dürre in England und Wales bis zu den Waldbränden Südeuropas. Vor diesem Hintergrund wirkt ein deutscher 24-Grad-Montag fast wie ein Privileg.