Kippt Deutschland heute mit Schnee auf 2500 Metern in den Frühherbst – während der heftigste Regen seit 1890 Nagoya unter Wasser setzt?
Die Kaltfront ist da: Polarluft drückt die Höchstwerte auf 17 bis 21 Grad, an den Alpen fallen 20 bis 30 Liter Regen und die Schneefallgrenze sinkt auf 2500 Meter. In Japan brach Nagoya derweil mit 104,5 Millimetern in einer Stunde seinen Rekord seit 1890 – 1,17 Millionen Menschen standen unter der
Key Points
- Polarluft löst heute die subtropische Warmluft ab: Eine Kaltfront wandert quer über Deutschland nach Südosten.
- Mehr als 17 bis 21 Grad sind nicht drin, in Schwaben bleibt das Thermometer bei knapp 17 Grad stehen.
- Im Alpenraum rutscht die Schneefallgrenze vorübergehend auf rund 2500 Meter herunter.
- Der DWD meldet Starkregen von etwa 15 l/qm je Stunde, an den Alpen 20 bis 30 l/qm, dazu Sturmböen bis 85 km/h auf exponierten Gipfeln.
- Nagoya erlebte gestern 104,5 mm Regen binnen 60 Minuten: Stationsrekord seit 1890, 1,17 Millionen Menschen in der höchsten Evakuierungsstufe.
- Eine 15 Kilometer hohe Aschesäule des Anak Krakatau legte acht Flughäfen still und störte 1.558 Flüge.
Deutschland: Wenn im September die Schneefallgrenze fällt
Angekündigt war der Abschied gestern, heute findet er statt. Im DWD-Warnlagebericht von 6:23 Uhr klingt das denkbar unaufgeregt: Kaltfront überquert Deutschland südostwärts, polare Luft verdrängt subtropische Warmluft. In 1500 Metern Höhe bedeutet das einen Rutsch von etwa 20 auf 14 Grad. Am Boden schrumpfen die gestrigen 28 Grad auf 17 bis 21 Grad zusammen.
Den Auftakt machten in den Frühstunden Gewitter im Südosten und Nordosten, dabei rund 15 Liter Regen pro Quadratmeter in einer Stunde und stürmische Böen um 70 km/h. Im Tagesverlauf verlagert sich dasselbe Spiel in den Nordwesten. Prägender ist ohnehin der Wind: steife Böen bis 60 km/h zwischen Nordwesten und nördlicher Mitte, an der Nordsee sowie im Bergland bis 70 km/h, in einzelnen Gipfellagen Sturmböen bis 85 km/h. Nachmittags erfasst das Windfeld auch das Ostseeumfeld.
Der eigentliche Schwerpunkt liegt aber weiter südlich. Bis zum Abend kann es an den Alpen mehrere Stunden am Stück kräftig regnen, 20 bis 30 Liter pro Quadratmeter sind drin. Bayern erwischt es flächendeckend, am heftigsten alpennah und Richtung Inntal. Ein Detail macht den Umbruch dann endgültig greifbar: In den Alpen fällt die Schneefallgrenze zeitweise auf etwa 2500 Meter. Wir schreiben den 9. September. Über Nacht zieht sich der Regen an die Alpen zurück und versiegt dort.
Ab Freitag kehrt Ruhe ein, dann bleibt es nur noch im Nordwesten wolkig mit etwas Regen, sonst zeigt sich zwischendurch die Sonne bei 18 bis 24 Grad, am Samstag sind 20 bis 26 Grad möglich. Auch die Blitzstatistik erzählt vom Ende einer Saison: Knapp 98.000 Wolken-Boden-Blitze zählten die Ortungssysteme im Sommer 2026 über Deutschland. An der Spitze steht der Landkreis Cuxhaven mit 1360 Entladungen, hauchdünn vor dem Oberallgäu mit 1355.
Welt: Eine Stunde Regen, die alles bricht
Während hierzulande 17 Grad die Schlagzeile sind, hat Japan gestern einen Rekord kassiert, den sich niemand wünscht. 104,5 Millimeter Niederschlag prasselten in nur einer Stunde auf Nagoya nieder. So viel hat die Station in ihrer bis 1890 zurückreichenden Messreihe noch nie verzeichnet. Schuld waren linienförmige Regenbänder, gespeist aus dem Tropentief, das aus Taifun Nummer 24 entstanden war und südlich von Shikoku nach Norden zog.
Um 18:20 Uhr Ortszeit setzten die japanische Wetterbehörde und das Verkehrsministerium eine Hochwasser-Sonderwarnung der Stufe 5 für das Shonai-Flusssystem ab; die Stadt Nagoya aktivierte parallel die Notfallstufe 5 für die Anwohner an Kanare, Yada und Ueda. Betroffen waren 607.879 Haushalte, also etwa 1,17 Millionen Menschen, die unter der höchsten Evakuierungsstufe standen. Rund 2.700 von ihnen suchten Notunterkünfte auf, die Präfektur Aichi verzeichnete vier Leichtverletzte. Zurückgenommen wurde die städtische Stufe 5 erst um 22:25 Uhr.
Indonesien liefert dazu das Gegenstück aus dem Untergrund. Seit dem 4. September, 23:07 Uhr Ortszeit, spuckte Anak Krakatau volle 25 Stunden ohne Pause. Richtung Java stieg die Asche auf 6.000 Meter, über Sumatra und Teilen Bantens sogar auf 15.000 Meter. Die Folge: acht geschlossene Flughäfen, 1.558 beeinträchtigte Flüge, über 270.000 gestrandete Passagiere. Der Vulkan bleibt auf Alarmstufe 3 von 4. Opfer forderte der Ausbruch nicht, eine Evakuierungsanordnung gab es ebenfalls nicht.
Und im Pazifik streifte Hurrikan Lowell als Kategorie 2 die Inseln Kauai und Niihau, für die eine Hurrikanwarnung galt. Vorhergesagt waren 6 bis 10 Zoll Regen, örtlich bis zu 16 Zoll, dazu Böen bis 74 mph und eine Brandung von 30 Fuß. Die Warnung ist mittlerweile Geschichte, die Bilanz auf Kauai nicht: schwere Schäden und großflächige Stromausfälle. Bereits am 3. September hatte Taifun Saudel Chinas Provinz Fujian mit bis zu 565,5 Millimetern geflutet, 83.700 Menschen mussten weichen, in Huating bei Putian brachen mehr als 100 Häuser zusammen.
*Deutschland greift heute zur Jacke. Andernorts steht deutlich mehr auf dem Spiel.*