
Heizt ein 33 Grad warmes Mittelmeer jetzt den nächsten Medicane an – nachdem über Mallorca an einem Nachmittag 218.000 Blitze niedergingen?
218.000 Blitze über Mallorca, Böen bis 158 km/h, 44 gestrichene Flüge und ein Todesopfer in Felanitx – Schuld daran ist ein Mittelmeer, das Anfang September an einer Boje 33 Grad zeigte und damit Medicanes befeuert. Deutschland genießt derweil einen warnungsfreien Samstag mit bis zu 27 Grad, während
Key Points
- Rund 218.000 Blitze zählte die spanische AEMET am 9. September über Mallorca, 17.200 davon schlugen in den Boden ein – in Felanitx kostete eine überflutete Straße eine 67-Jährige das Leben.
- Der Flughafen Palma strich 44 Verbindungen, die Rettungskräfte fuhren 132 Einsätze, 51 allein in der Hauptstadt; in den Böenspitzen wurden 158 km/h gemessen.
- Anfang September zeigte eine Mittelmeer-Boje 33 Grad Wassertemperatur – normal sind im September 20,5 bis 28,3 Grad. Genau diese Wärme ist der Treibstoff für Medicanes.
- In Deutschland ist heute Ruhe angesagt: 20 bis 24 Grad, im Südwesten bis 27, und laut DWD keine markant zu bewarnenden Wetterereignisse.
- Am Sonntag sind vereinzelt kräftige Gewitter mit Starkregen möglich, am Dienstag zieht eine Gewitterlinie mit Sturmböen von Nordwest nach Südost über das Land.
- Hawaiis Kīlauea steht nach 69 Lavaüberläufen seit dem 7. September kurz vor Episode 55, und auf Sumatra hat der Sinabung eine 3.500 Meter hohe Aschesäule ausgestoßen.
Deutschland: ein Samstag ohne Warnfarbe
Man muss in diesem Jahr lange suchen, um einen Tag wie diesen zu finden – einen, an dem der Deutsche Wetterdienst schlicht nichts zu melden hat. In der Wochenvorhersage Wettergefahren von 5 Uhr steht für heute die Formulierung „sehr wahrscheinlich keine markant zu bewarnenden Wetterereignisse". Verantwortlich dafür ist ein Hochdruckrücken, der sich langsam nordwärts schiebt, während ein kräftiges Atlantiktief noch weit draußen kreist.
Praktisch heißt das: Der Südwesten startet strahlend in den Tag, über dem Norden hängen am Vormittag noch zähere Wolkenfelder. Am Nachmittag tröpfelt es an der Nordsee ein wenig, sonst bleibt der Regenschirm im Schrank. Auf den Thermometern erscheinen 20 bis 24 Grad, im Süden gebietsweise 25 und ganz im Südwesten bis zu 27 Grad – Spätsommer, wie er im Buche steht.
Die Verschnaufpause hat allerdings ein Ablaufdatum. Für Sonntag hält der DWD „vereinzelt kräftige Gewitter mit Starkregen" für möglich, der Montag verläuft nochmals unauffällig, und am Dienstag wandert dann eine Gewitterlinie samt Sturmböen von Nordwesten nach Südosten durchs Land. Ab Mittwoch bleiben nur noch 17 bis 23 Grad übrig, an der Nordsee frischt der Wind stürmisch auf.
Mallorca: Wenn 218.000 Blitze auf eine Insel treffen
Wer sehen will, was ein überhitztes Meer anrichtet, muss auf die Balearen blicken. Am 9. September registrierte die AEMET über Mallorca rund 218.000 Blitze – 17.200 davon mit Bodenkontakt. Zwischen 14.30 und 16 Uhr ging der Regen sintflutartig nieder, dazu peitschten Böen mit bis zu 158 km/h über die Insel. Im südöstlichen Felanitx wollte eine 67-jährige Frau eine überflutete Straße überqueren und ertrank.
Die Bilanz danach liest sich wie nach einem Sturmtief im November: Der Betreiber Aena annullierte in Palma 44 Flüge, 35 ankommende und neun abgehende; zahlreiche Verbindungen nach Deutschland verspäteten sich um Stunden. 132 wetterbedingte Einsätze wurden gezählt – umgestürzte Bäume, vollgelaufene Keller, unpassierbare Straßen –, 51 davon in Palma selbst.
Das eigentliche Problem liegt unter der Wasseroberfläche
Solche Entladungen kommen nicht aus dem Nichts. Nach einem extrem heißen Sommer ist das Mittelmeer regelrecht aufgeladen: Eine Boje meldete Anfang September 33 Grad – ein Wert, der an einer Messboje kaum je zuvor aufgetaucht ist. Zum Vergleich: Im Mittel bewegt sich das Meer im September zwischen 20,5 und 28,3 Grad.
Warmes Wasser bedeutet Verdunstung, Verdunstung bedeutet Energie, und Energie bedeutet in diesem Fall Medicanes – jene Wirbelstürme mit tropischen Zügen, die im Herbst über dem zentralen und westlichen Mittelmeer entstehen. Besonders exponiert sind die Ionischen Inseln Korfu, Kefalonia, Zakynthos und Lefkada sowie Malta, Sizilien und Kalabrien. Für Blitzjäger auf der ZAPOLLO-Karte heißt das: Das spannendste Revier Europas liegt in diesem Herbst nicht über Mitteleuropa, sondern zwischen Balearen und Ionischem Meer.
Feuerberge statt Gewitterzellen
Parallel dazu ist die Erde selbst in Bewegung. Auf Hawaii schiebt der Kīlauea seit dem 7. September immer wieder kurze Lavazungen aus seinem Nordschlot – 69 Überläufe sind inzwischen dokumentiert, gespeist von Dome-Fontänen zwischen fünf und zehn Metern Höhe. Zwei Lavaströme haben sich jeweils etwa einen Kilometer weit vorgearbeitet. Das Hawaiian Volcano Observatory rechnet jede Stunde mit dem Beginn von Episode 55; die Warnstufe steht auf WATCH, der Luftfahrt-Code auf ORANGE. Erschwerend kommt hinzu, dass Teile des Messnetzes nach Strom- und Sturmschäden noch nicht wieder laufen.
Rund 10.000 Kilometer weiter westlich meldete sich am 31. August der Sinabung auf Sumatra zurück und blies eine 3.500 Meter hohe Asche- und Rauchsäule in den Himmel. Die Behörden setzten die zweithöchste Alarmstufe, sperrten einen Radius von sechs Kilometern und verteilten Atemmasken; grauer Ascheregen legte sich über Straßen, Autos und Dächer mehrerer Dörfer. Der Chef der geologischen Behörde ordnete das Ereignis als Anfangseruption ein – ein stärkerer Ausbruch sei möglich.
Und der Atlantik? Schweigt weiter
Fast beiläufig ist heute nebenbei Geschichte geschrieben worden: Da sich weiterhin kein einziges der fünf benannten Systeme zum Hurrikan aufgeschwungen hat, hat die Saison 2026 die Bestmarke von Gustav (2002) und Humberto (2013) hinter sich gelassen. Später als heute begann in der Satellitenära noch keine Hurrikansaison. Die Ursache sitzt im Pazifik – und heißt El Niño.
*Ein sonniger Samstag hierzulande, ein stiller Atlantik, ein brodelndes Mittelmeer und zwei Vulkane kurz vor dem Sprung: Das Wetter dieses Wochenendes findet woanders statt.*