
Hebt sich der Boden bei Neapel gerade um 31,5 Zentimeter – während am Oberrhein das Thermometer auf 31 Grad zugeht?
Unter Pozzuoli drückt es weiter nach oben: 31,5 Zentimeter Hebung seit Januar 2025, 1.000 Tonnen CO₂ pro Tag und 4.617 Menschen, die nach dem Juli-Beben noch immer nicht heimdürfen. Deutschland merkt davon nichts – hier liefert ein Hochdruckrücken einen Altweibersommer mit 29 Grad am Oberrhein und e
Key Points
- An der GNSS-Station RITE in Pozzuoli summiert sich die Bodenhebung seit Januar 2025 auf 31,5 Zentimeter – seit Februar 2026 kommen Monat für Monat rund 10 Millimeter dazu.
- 4.617 Menschen aus 1.982 Familien sind seit dem Beben der Magnitude 4,7 vom 31. Juli aus ihren Wohnungen ausgesperrt.
- Das Pisciarelli-Feld bläst täglich etwa 1.000 Tonnen CO₂ aus, die Fumarole Bocca Grande liegt bei 173 Grad.
- Am 23. September wackelte ausgerechnet der sonst stille Astroni-Krater: sieben Beben, das stärkste mit Md 1,6 in 1,3 Kilometern Tiefe.
- In Deutschland spannt sich ein Hochdruckrücken vom Atlantik bis zum Schwarzen Meer – heute 22 bis 26 Grad, am Oberrhein 29, am Sonntag bis 31 Grad.
- Auf Big Island fällt derweil der Regen von Hurrikan Nolo: 8 bis 12 Zoll im Osten und Süden, örtlich bis 16 Zoll.
Deutschland: ein Septembertag ohne jede Warnung
Man muss im Archiv schon suchen, um einen so ereignislosen Herbsttag zu finden. Um 00:05 Uhr in der Nacht zum Samstag war die Warnkarte des Deutschen Wetterdienstes vollständig leer – kein Sturm, kein Gewitter, kein Starkregen, nirgends. Verantwortlich ist ein Hochdruckrücken, der sich vom Atlantik quer über den Kontinent bis zum Schwarzen Meer legt und jede Störung außen vor hält.
Der Tag beginnt trotzdem grau: In Bayern und über der Mitte hat sich in der klaren Nacht zäher Nebel gebildet, der sich erst am Vormittag verzieht. Danach übernimmt die Sonne. Im Norden ziehen ein paar Wolkenfelder durch, aus denen es gelegentlich tröpfelt, dort bleibt es bei 17 bis 21 Grad. Sonst stehen 22 bis 26 Grad auf dem Programm, und am Oberrhein klettert die Quecksilbersäule auf 29. Morgen legt sie noch einmal nach: bis zu 31 Grad im Südwesten – ein Sommertag am vorletzten Septembertag. Selbst Dienstag und Mittwoch sollen dort die 31-Grad-Marke halten. Altweibersommer ist dafür fast ein zu braves Wort.
Neapel: die Erde atmet ein
Rund 1.500 Kilometer südlich davon spielt sich etwas ab, das kein Wetterdienst warnen kann. Die Campi Flegrei, die Caldera westlich von Neapel, heben sich seit über zwei Jahrzehnten – und seit 2018 sowie erneut seit 2023 deutlich schneller. Der Messpunkt RITE mitten in Pozzuoli steht inzwischen 31,5 Zentimeter höher als im Januar 2025. Das klingt nach wenig. Für eine ganze Stadt, die sich mit anhebt, ist es enorm.
Die Beben selbst sind derzeit schwach. Zwischen dem 18. und 23. September registrierten die Seismografen gut ein Dutzend Mikrobeben, darunter ein kleiner Schwarm im Astroni-Krater, wo sonst kaum etwas passiert. Beunruhigender ist die Chemie: Am Pisciarelli entweichen jeden Tag etwa 1.000 Tonnen Kohlendioxid, an der Bocca Grande zeigen die Sensoren 173 Grad. Druck baut sich auf, auch wenn es oben ruhig wirkt. Italien hält die Alarmstufe deshalb weiter auf Gelb.
Sichtbar wird die Lage vor allem an den Menschen: 4.617 Bewohner aus 1.982 Familien kommen seit dem Magnitude-4,7-Beben vom 31. Juli nicht in ihre Häuser zurück. Am 17. September beschloss die Region Kampanien Hilfen über 9,5 Millionen Euro, rund 4,45 Millionen davon fließen nach Pozzuoli. Giuseppe De Natale, früher Chef des Vesuv-Observatoriums, warnt trotzdem: Ein einziges kräftigeres Beben würde reichen, um die Region ins Chaos zu stürzen – über eine halbe Million Menschen geordnet hinauszubringen, sei bei blockierten Straßen und zugebauten Fluchtrouten schlicht nicht machbar. Präfekt Fabio Ciciliano sagt es diplomatischer, meint aber dasselbe: Die ausgewiesenen Evakuierungswege verlieren durch neue Bauprojekte ihren Sinn.
Hawaii: Nolo liefert, wie angekündigt
Und im Pazifik läuft die Geschichte weiter, die diese Woche begonnen hat. Nolo ist zum Hurrikan der Kategorie 2 geworden, hält 105 Meilen pro Stunde und soll heute zum schweren Hurrikan aufsteigen. Sein Zentrum bleibt südlich der Inseln und dreht am Wochenende nach Westen ab – doch die Regenprognose bleibt brutal: 8 bis 12 Zoll für den Osten und Süden von Big Island, lokal bis zu 16, insgesamt sind 10 bis 25 Zoll im Spiel. Auf Hängen, die seit dem Sommer ohnehin durchweicht sind, heißt das Sturzfluten und Muren – auch dort, wo sonst nie Wasser steht.