
Glüht heute halb Westeuropa unter einer einzigen Hitzekuppel – Frankreich nach der heißesten Nacht seit sieben Jahren, Großbritannien zum erst zweiten Mal in Rot und Deutschland am 38-Grad-Siedepunkt?
Eine gewaltige Hitzekuppel presst von Lissabon bis London glühende Luft über den Kontinent: In Frankreich stehen 49 Départements auf der höchsten Warnstufe, nach der heißesten Nacht seit sieben Jahren werden bis zu 42 Grad erwartet. Großbritannien aktiviert zum erst zweiten Mal überhaupt eine rote H
Key Points
- Frankreich am Limit: 49 Festland-Départements stehen auf Rot, weitere 40 auf Orange – über 90 Prozent der Bevölkerung leben unter einer Hitzewarnung, im Süden und Zentrum sowie rund um Paris drohen 40 bis 42 Grad.
- Rekordnacht hinter Frankreich: Die zurückliegende Nacht war mit einem landesweiten Mittel von 21,4 Grad die heißeste seit sieben Jahren; in Paris sank das Thermometer nicht unter 24,2 Grad – ein fast zehn Jahre alter Rekord fiel.
- Schulen dicht: 845 Schulen bleiben geschlossen, rund 1.800 weitere passen ihre Zeiten an; Météo-France zieht Vergleiche zu den Jahrhundsommern 2003 und 2019.
- Großbritannien in Rot: Die UKHSA verhängt für sechs Regionen Englands eine rote Hitzewarnung (Mittwoch bis Donnerstag) – erst das zweite Mal überhaupt; bis zu 39 Grad könnten den britischen Juni-Rekord von 35,6 Grad pulverisieren.
- Deutschland am Siedepunkt: Im Südwesten sind heute bis zu 38 Grad möglich, während es nördlich der Linie Köln–Dresden auf 20 bis 25 Grad abkühlt; der DWD-Hitzealarm läuft bis 19 Uhr.
- Norditalien zieht nach: In der Po-Ebene klettern die Werte zum Wochenstart Richtung 40 Grad – es ist bereits die zweite Hitzewelle des Jahres nach dem Mai-Rekord.
Deutschland: Der Tag, an dem die Hitze kippt
Deutschland erlebt heute den vorläufigen Höhepunkt seiner Hitzewelle – und zugleich den Wendepunkt. Im Südwesten, von Rheinland-Pfalz über das Saarland bis nach Baden-Württemberg, schiebt sich das Quecksilber auf 36 bis lokal 38 Grad, für Teile Hessens hat der Deutsche Wetterdienst sogar die Stufe "extreme Hitze" ausgerufen. Die Hitzewarnung gilt verbreitet bis Montagabend, 19 Uhr – der vierte Warntag in Folge.
Doch hinter der flirrenden Mittagsglut bahnt sich der Bruch an. Aus nördlichen Richtungen schiebt sich böig auffrischend kühlere, deutlich angenehmere Luft heran. Nördlich einer gedachten Linie zwischen Köln und Dresden rutschen die Höchstwerte auf erträgliche 20 bis 25 Grad, während der Süden weiter bei 28 bis 33 Grad schmort. Über den Mittelgebirgen und im Süden türmen sich am Nachmittag mächtige Quellwolken auf, aus denen sich einzelne, teils unwetterartige Gewitter mit Starkregen, Hagel und stürmischen Böen entladen können. Im Norden lässt die Schauer- und Blitzaktivität dagegen vollständig nach – auf einer Karte, die Entladungen in Echtzeit zeichnet, verlagert sich das Geschehen klar in die Südhälfte.
Frankreich: Nach der Rekordnacht der gefährlichste Tag
Der eigentliche Glutkern liegt westlich des Rheins. Frankreich ist heute in die heißeste Phase seiner Junihitze gerutscht: 49 Festland-Départements stehen auf der höchsten Warnstufe Rot, 40 weitere auf Orange. Damit lebt mehr als jeder neunte von zehn Franzosen unter einer Hitzewarnung. Von der Region Paris über Zentralfrankreich bis in den Südwesten werden heute 40 bis 42 Grad erwartet – und der Tagesdurchschnitt könnte landesweit den heißesten je gemessenen Tag überhaupt erreichen, in jedem beliebigen Monat.
Vorausgegangen war eine Nacht für die Geschichtsbücher: Mit einem nationalen Mittel von rund 21,4 Grad war sie die heißeste seit sieben Jahren, in Paris fiel das Thermometer nicht unter 24,2 Grad und sprengte damit einen fast zehn Jahre alten Rekord. Genau diese ausbleibende nächtliche Abkühlung macht solche Lagen so tückisch. Météo-France spricht von einer Episode "außergewöhnlicher Intensität" und vergleicht sie mit den Jahrhundsommern von 2003 und 2019. 845 Schulen bleiben geschlossen, rund 1.800 weitere fahren auf Sparflamme.
Welt: Eine Hitzekuppel über dem halben Kontinent
Das Bemerkenswerte ist die schiere Ausdehnung: Eine einzige, träge Hitzekuppel spannt sich von der Iberischen Halbinsel bis nach Großbritannien. In England hat die Gesundheitsbehörde UKHSA für sechs Regionen – darunter London und die Midlands – eine rote Hitzewarnung für Mittwoch und Donnerstag ausgegeben, erst das zweite Mal in der Geschichte dieses Warnsystems. Der Höhepunkt mit mindestens 39 Grad dürfte den britischen Juni-Rekord von 35,6 Grad aus dem Jahr 1976 kippen, eine Warnstufe, die ausdrücklich eine Lebensgefahr auch für gesunde Menschen markiert. Zugleich heizt sich die norditalienische Po-Ebene Richtung 40 Grad auf, Spanien und Portugal halten ihre Werte um die 44 Grad.
Für viele ist es bereits die zweite Hitzewelle dieses Jahres – die erste hatte Ende Mai sämtliche Frühjahrsrekorde zertrümmert. Die seither ausgedörrten Böden befeuern die Lage zusätzlich und erhöhen die Waldbrandgefahr. Und ein Ende ist nicht in Sicht: Über Deutschland soll sich das Hoch im Wochenverlauf erneut verstärken und die nächste Runde aus Wüstentagen und tropischen Nächten bringen.