
Erlebt Paris heute den ersten 40-Grad-Junitag seiner Geschichte – während halb Frankreich im roten Hitzealarm erstarrt und Deutschland zwischen kühlem Norden und glühendem Süden zerreißt?
Frankreich versinkt im roten Hitzealarm: 80 Départements gewarnt, Paris könnte heute erstmals an einem Junitag über 40 Grad steigen, und für Montag hält Météo-France sogar den heißesten je gemessenen Tag des Landes für möglich. Deutschland zerfällt derweil in einen abkühlenden Norden und einen glühe
Key Points
- Paris vor einem Rekord: Die Île-de-France inklusive der Hauptstadt steht seit heute unter der höchsten Warnstufe Rot – Paris könnte erstmals an einem Junitag die 40-Grad-Marke knacken.
- Frankreich im Ausnahmezustand: 80 Départements liegen unter Orange- oder Rotwarnung; Premier Sébastien Lecornu fährt das interministerielle Krisenzentrum hoch.
- Alltag steht still: Vielerorts wird die Fête de la Musique abgesagt, in roten Zonen gilt ein Alkoholverbot im Freien, Züge fallen aus und Schulen schließen.
- Höhepunkt erst am Montag: Für den 22. Juni erwartet Météo-France 37 bis 42 Grad – möglich sei der heißeste je in Frankreich gemessene Tag überhaupt.
- Deutschland zweigeteilt: Nördlich der Linie Münster–Usedom kühlt es auf 20 bis 25 Grad ab, südlich davon bleiben 27 bis 33, lokal bis 38 Grad – der DWD warnt vor Hitze und schweren Gewittern.
- Tödlicher Monsun in Asien: Über 130 Kinder starben bereits in den Fluten Südasiens; die WMO meldet hunderte Tote durch sintflutartige Regenfälle.
Deutschland: Ein Land, zwei Wetter
Während Westeuropa kocht, spielt sich über Deutschland heute ein ungewöhnliches Schauspiel ab: Das Land zerfällt in zwei Wetterhälften. Ein Hoch über der Nordsee schiebt nördlich einer gedachten Linie von Münster bis Usedom kühlere Luft heran, die Höchstwerte sacken dort auf erträgliche 20 bis 25 Grad. Südlich davon dagegen hält die hochsommerliche Glut eisern stand – 27 bis 33 Grad sind die Regel, in den Hitzeinseln von Rheinland-Pfalz über das Saarland bis nach Baden-Württemberg und Bayern sind örtlich bis zu 38 Grad drin. Der Deutsche Wetterdienst hat die Hitzewarnung für weite Teile des Landes bis Montagabend, 19 Uhr, verlängert.
Doch der sonnige Vormittag täuscht. Im Lauf des Nachmittags wird die schwüle Luft zunehmend instabil, mächtige Quellwolken türmen sich auf – und zwischen 14 und 20 Uhr droht der Knall. Von Südbrandenburg über Sachsen und Thüringen bis nach Bayern können sich teils unwetterartige Gewitter entladen. Der DWD rechnet mit 25 bis 40 Litern Regen pro Quadratmeter in kurzer Zeit, punktuell mehr, dazu Hagelkörner bis drei Zentimeter und schwere Sturmböen zwischen 80 und 100 km/h. Auf einer Karte, die Blitze in Echtzeit zeichnet, wird der Abend in der Osthälfte zur Lichtorgel.
Frankreich: Wenn der längste Tag zum gefährlichsten wird
Der eigentliche Brennpunkt liegt aber westlich des Rheins. Frankreich erlebt eine Hitzewelle historischen Ausmaßes – und reagiert mit nationalem Krisenmodus. 80 Départements stehen unter Orange- oder Rotwarnung, die Île-de-France samt Paris ist seit heute in die höchste Stufe Rot gerutscht. Forecaster halten es für möglich, dass die Hauptstadt zum ersten Mal an einem Junitag über 40 Grad klettert. Premierminister Sébastien Lecornu aktiviert das interministerielle Krisenzentrum im Innenministerium.
Die Folgen greifen tief in den Alltag: In mehreren Städten wird ausgerechnet die Fête de la Musique abgeblasen, Präfekten verhängen in den roten Zonen ein Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen, Dutzende Züge fallen aus, der Unterricht wird ausgesetzt. Und der Gipfel steht noch bevor – Météo-France erwartet für Montag 37 bis 42 Grad und schließt nicht aus, dass es der heißeste je in Frankreich gemessene Tag wird, in irgendeinem Monat. Auch Spanien und Portugal ächzen weiter unter bis zu 44 bis 45 Grad, im nordschweizerischen Schaffhausen fiel bereits mit 35,7 Grad der höchste Juniwert der Messgeschichte. Die seit dem Mai-Rekord ausgedörrten Böden heizen die Lage zusätzlich an.
Welt: Während der Westen brennt, ertrinkt der Osten
Der Kontrast zur anderen Seite der Erdkugel könnte krasser kaum sein. Über Südasien tobt der Monsun: Nach Angaben von Save the Children haben Überschwemmungen und Extremwetter bereits mehr als 130 Kinder das Leben gekostet und zahllose Schulen zerstört, die WMO spricht von hunderten Toten durch sintflutartige Regenfälle. Dabei deutet der Ausblick für die Hindukusch-Himalaya-Region paradoxerweise auf einen eher unterdurchschnittlichen Monsun hin – schon kurze, heftige Regengüsse reichen aber, um Sturzfluten auszulösen. Im Hintergrund verschärft ein zu 80 Prozent wahrscheinlicher El Niño im Sommer 2026 die globale Unwucht zwischen Glut und Flut weiter.