
Beendet Indien heute den schwächsten Monsun seit 17 Jahren – während über Tokio das Wasser in Bändern vom Himmel fällt?
Indiens Monsun verabschiedet sich mit rund 15 Prozent Defizit – der schwächsten Bilanz seit 2009, mit 28 Prozent Minus auf der Südhalbinsel. Zeitgleich schüttet Taifun Dujuan über Ostjapan mehr als 300 Millimeter aus, während Deutschland einen windigen 19-Grad-Wochenstart bekommt.
Key Points
- Mit rund 15 Prozent zu wenig Regen läuft Indiens Südwestmonsun aus – schwächer fiel eine Saison zuletzt 2009 aus.
- Am härtesten trifft es die Südhalbinsel mit 28 Prozent Minus und den Nordosten mit 25 Prozent; Zentralindien fehlen dagegen nur 6 Prozent.
- Seit dem 19. September zieht sich der Monsun aus Westrajasthan zurück – zwei Tage später als im Mittel.
- Über 300 Millimeter seit Samstag: Die Izu-Inseln und Chiba bekommen von Taifun *Dujuan* genau das, was Indien fehlt.
- Japans Wetterdienst hat Gefahrenstufe 4 ausgerufen und warnt vor linearen Regenbändern über Kanto.
- Deutschland startet windig in die Woche: 17 bis 19 Grad, im Südwesten 20 bis 22, an den Küsten stürmische Böen.
Deutschland: Nordseeluft auf der Rückseite
Ein Tief über Estland und ein Hoch über dem Ärmelkanal – zwischen diesen beiden Druckgebilden spannt sich heute das Gefälle auf, das kühle Meeresluft von der Nordsee zu uns lenkt. Der Wochenstart fühlt sich entsprechend an: frisch, unruhig, aber ohne Drama.
Tagsüber wechseln sich Sonne und Wolkenfelder ab, von der Nordsee bis zum Erzgebirge ziehen einzelne Schauer durch, die bis zum Abend weitgehend auslaufen. Der Nordwest- bis Westwind bleibt lebhaft, an den Küsten frischt er zu stürmischen Böen auf, im Nordosten weht es ebenfalls kräftig – gegen Abend beruhigt sich das Ganze. Verbreitet stehen 17 bis 19 Grad auf dem Thermometer, nur der Südwesten kratzt an 20 bis 22. Bemerkenswert ist eher die Nacht davor gewesen: Während es in Südbayern, Baden-Württemberg und im Norden bei 10 bis 15 Grad blieb, rutschte die Landesmitte auf 9 bis 4 Grad ab. Der Herbst meldet sich, leise, aber unmissverständlich.
Indien: Wenn der Regen einfach nicht kommt
Die eigentliche Geschichte dieses Montags steht in keiner Warnkarte, weil sie aus einem Nicht-Ereignis besteht. Indiens Südwestmonsun, der rund 70 Prozent des Jahresniederschlags des Landes liefert, schließt die Saison mit etwa 15 Prozent Defizit ab. Die IMD hatte im Mai mit 10 Prozent gerechnet – es wurde deutlich mehr. Bleibt es dabei, ist 2026 die schwächste Monsunsaison seit 2009, als knapp 18 Prozent fehlten.
Entscheidend ist dabei weniger der Mittelwert als seine Verteilung. Die Südhalbinsel liegt 28 Prozent unter dem Soll, Ost- und Nordostindien 25 Prozent – während Nordwest- und Zentralindien mit 10 beziehungsweise 6 Prozent vergleichsweise glimpflich davonkommen. Ein nationaler Durchschnitt verwischt also genau die Regionen, in denen Reis, Hülsenfrüchte, Soja, Mais, Baumwolle und Erdnuss gerade unter Wasserstress stehen. Geringere Kharif-Ernten bedeuten Druck auf die Lebensmittelpreise und auf ländliche Einkommen – in der fünftgrößten Volkswirtschaft der Welt. Der Rückzug des Monsuns aus Westrajasthan setzte am 19. September ein, zwei Tage nach dem üblichen Termin, und für den Rest des Monats erwartet die IMD weiterhin unterdurchschnittliche Mengen.
Japan: dieselbe Atmosphäre, das andere Extrem
Ein paar tausend Kilometer östlich liefert derselbe Planet den Gegenbeweis zur Trockenheit. Taifun Dujuan zieht ab Mittag dicht an der Kanto-Koshin-Region vorbei und bleibt bis in die Nacht wetterbestimmend, bevor er bis zum 23. östlich von Hokkaido in ein außertropisches Tief übergeht. Auf den Izu-Inseln, in Chiba und entlang der Pazifikküste sind seit Samstag stellenweise mehr als 300 Millimeter gefallen.
Die JMA hat für Teile der Region Gefahrenstufe 4 ausgerufen und mahnt zur Wachsamkeit vor Erdrutschen, überlaufenden Flüssen, Überflutungen in Senken und hohem Seegang. Das eigentliche Risiko heißt *lineare Regenbänder*: schmale, quasi stationäre Konvektionsstraßen, die über Stunden immer wieder dieselbe Strecke abregnen. Genau dieses Muster hat Japan in den vergangenen Jahren die schwersten Sturzfluten beschert.
Und der Atlantik?
Der bleibt sich treu. Am 20. September hat sich südwestlich der Azoren mit 95 km/h *Fay* als sechster benannter Sturm formiert – ein Hurrikan wird daraus nach Einschätzung des Hurricane Centers nicht, denn feindliche Bedingungen sollen ihn aufreiben. Der Atlantik bleibt damit im ruhigsten Saisonstart der Satellitenära. Dass Energie im Klimasystem nicht verschwindet, sondern sich nur verschiebt, zeigt dieser Montag in Reinform: zu wenig Wasser über Südindien, zu viel über Ostjapan, kaum etwas über dem Atlantik – und dazwischen ein frischer deutscher Herbsttag.